Zürcher Fluglärm-Index als Gegenvorschlag ungeeignet (Fluglärmforum Süd)

Publiziert von VFSNinfo am

Ansatz des Regierungsrats interessant, aber kaum verständlich:

Zürcher Fluglärm-Index als Gegenvorschlag ungeeignet

Der heute als Gegenvorschlag zur Plafonierungsinitiative vorgestellte FluglärmIndex ist ein Versuch des Zürcher Regierungsrats, das Fluglärm-Thema zu verwissenschaftlichen. Der Ansatz führt jedoch in eine politische Sackgasse, weil der Kanton keine Massnahmen treffen kann, welche ein allfälliges Überschreiten des Fluglärm-Indexes verhindern können. Keine Lösung bringt sowohl der Gegenvorschlag als auch die Plafonierungsinitiative in der Frage der Süd- und zusätzlichen Ostanflüge. Der Fluglärm-Index ist als Ergänzung zum bestehenden Flughafengesetz prüfenswert, aber als Gegenvorschlag ungeeignet. Positiv zu werten ist, dass erstmals Nachtfluglärm stärker gewichtet wird als Fluglärm tagsüber.

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer dürfte es schwer haben, wenn sie den Gegenvorschlag des Regierungsrats zur 250’000-Volksinitiative in den kommenden Wochen der Bevölkerung auch im Süden des Flughafens Zürich präsentieren wird. Sie kann mit dem Zürcher Fluglärm-Index keine Antworten auf die Fragen geben, wann und wie die widerrechtlichen Süd- und zusätzlichen Ostanflüge gestoppt werden können. Sie wird hingegen eine kaum verständliche, komplexe, von Akustikern und Soziologen entwickelte Methode zu erklären haben, welche mit mathematischen Formeln ein theoretisches Mass der Anzahl stark betroffener Menschen rund um den Flughafen abbilden soll. Der Gegenvorschlag des Regierungsrats dürfte es auch schwer haben, weil der Kanton Zürich kaum über Möglichkeiten verfügt, bei einem allfälligen Überschreiten der Zahl der vom Fluglärm stark betroffenen Menschen Massnahmen zu ergreifen. Diese Kompetenzen liegen hauptsächlich bei Bund und Flughafen. In den meisten Fällen wäre mit einem jahrelangen Seilziehen vor den Gerichten zu rechnen.

Das Fluglärmforum Süd ist die Plattform von 35 Gemeinden und Städte im Süden des Flughafens Zürich. Es vertritt über 300\'000 Menschen in den Kantonen Zürich,  St. Gallen, Schwyz und Zug, welche alle von den neuen Südanflügen betroffen sind. Mit der Stadt Zürich (insbesondere Schwamendingen) ist der Süden des Flughafens eines der dichtest besiedelten Gebiete in der Schweiz.

Das Fluglärmforum Süd setzt sich zum Ziel, mit allen politischen und rechtlichen Mitteln die widerrechtlichen und volkswirtschaftlich schädlichen Südanflüge zu stoppen. Es fordert die schnellstmögliche Einführung des Gekröpften Nordanflugs, der vom Bundesamt für Zivilluftfahrt als technisch machbar erklärt worden ist und weit weniger Menschen neu mit Fluglärm belastet als in allen Regionen rund um den Flughafen.

Kantonsrat Richard Hirt, Präsident Fluglärmforum Süd     

Fluglärmforum Süd
Plattform der Gemeinden und Städte im Süden des Flughafens Zürich
Fällanden, 24. August 2006



siehe auch:
Aus AsbP wird ZFI – eine Pionierleistung in der Fluglärmproblematik (Medienmitteilung VFSN)
«Der Richtwert ist nicht greifbar» (Leserbriefe TA)
Rita Fuhrers «Verwirrformel» (Leserbriefe TA)
Gegenvorschlag des Regierungsrates zur Plafonierungsinitiative (Medienmitteilung des Regierungsrates)
Dieser Richtwert ist inakzeptabel (Initiativkomitee)
Skepsis gegenüber Fluglärm-Index überwiegt (NZZ)
Regierung setzt auf Fluglärm-Index (TA)
Ein Beispiel nicht zu übertreffender Transparenz (Bild des Monats: August 2006)
Weshalb der Index ist, wie er ist (TA)
«Lex Bäumle» zeigte Wirkung (ZOL)
«Die Probleme sind nicht gelöst» (Sonntagszeitung)


Die Alternative zur Verwirrformel: Flughafeninitiative JA