Süddeutsche Zweifel an Flughafenwachstums-Studie (NZZ)

Publiziert von VFSNinfo am


Fuhrer lädt zum Experten-Hearing ein

Der süddeutsche Landkreis Waldshut zieht die Ergebnisse einer im vergangenen Juni veröffentlichten Studie zum Wachstumspotenzial des Flughafens Zürich in Zweifel. Das Landratsamt hat mit Unterstützung des Kreistags beim Düsseldorfer Consulting-Büro Kienbaum eine Bewertung der vom Zürcher Regierungsrat bestellten und vom in Zürich ansässigen Büro Infras erarbeiteten Studie in Auftrag gegeben. Die Bewertung, welche Landrat Bernhard Wütz am Dienstag vor den Medien präsentiert hat, kommt zum Ergebnis, dass die Infras-Studie Mängel aufweist: Sie sei «weder realitätsbezogen und umfassend genug noch hinreichend empirisch abgesichert, als dass Ergebnisse unmittelbar auf die Realität übertragen werden könnten», schreibt das Büro Kienbaum.

Namentlich seien die Grundlagen unsicher, die Wachstumserwartungen übertrieben, die Beschäftigungs- und Wohlstandseffekte zu hoch angesetzt und der Blickwinkel verengt, polterte Wütz vor den Medien. Der von Infras auf 2,5 Prozent geschätzte jährliche Zuwachs an Flugbewegungen sei deutlich übertrieben. Dasselbe gelte für den Beschäftigungseffekt, wonach gemäss Infras jeder Arbeitsplatz am Flughafen drei weitere in der Umgebung generiere. Am Flughafen Frankfurt habe man vor kurzem einen Faktor von lediglich 1,7 errechnet, so Wütz. Er stört sich ausserdem daran, dass die durch den Fluglärm entstehenden schädlichen Effekte nur für die Schweiz errechnet wurden. Die Verluste etwa, die dem Tourismusgewerbe im Südschwarzwald durch Fluglärm erwüchsen, seien nirgends vermerkt, kritisierte der Landrat. Vom wissenschaftlichen Anstrich solcher Studien dürfe man sich deshalb nicht blenden lassen, lautete das Fazit von Wütz. Im Weiteren schloss er eine Verknüpfung der Fluglärmproblematik mit anderen Diskussionsfeldern im Verhältnis zum Kanton Zürich kategorisch aus («diese Kröte schlucken wir nicht») und wiederholte seine Kritik am gekröpften Nordanflug.

Die Zürcher Volkswirtschaftsdirektorin Rita Fuhrer konterte die Kritik von Wütz gleichentags mit einem Gesprächsangebot. Fuhrer begrüsse es, dass sich das Landratsamt Waldshut aktiv mit dieser Frage auseinandersetze, schrieb die Volkswirtschaftsdirektion in einer Mitteilung. Die Regierungsrätin unterstütze die Ausweitung der fachlichen und wissenschaftlichen Diskussion über die Bedeutung des Flughafens Zürich. Sie wolle deshalb - in Anwesenheit von Landrat Wütz und weiteren politischen Exponenten - die Firmen Kienbaum und Infras sowie weitere Experten zu einem öffentlichen Hearing nach Zürich einladen. Damit solle ein grenzüberschreitender Dialog zur Bedeutung des Flughafens Zürich in Gang gesetzt werden, heisst es in der Mitteilung weiter.(NZZ, 20.12.05)