Den «Gekröpften» sofort einführen (TA)

Publiziert von VFSNinfo am

Die Gemeinden im Osten und im Süden des Zürcher Flughafens fordern gemeinsam die schnelle Einführung des gekröpften Nordanfluges.

Technisch der gekröpfte Nordanflug für Sichtflüge rasch realisiert werden, noch fehle aber der politische Wille in Bundesbern. Erstmals sind die Interessengruppierungen Fluglärmforum Süd und Region Ost sowie die Stadt Zürich mit einem Anliegen in der Fluglärmfrage gemeinsam aufgetreten. Sie vertreten mehr als eine Million Menschen, die von den ihrer Ansicht nach «rechtswidrigen Süd- und Ostanflügen» stark betroffen sind, sagten sie an einer Medienkonferenz vom Freitag in Zürich.

Probeweise Einführung

Allenfalls sei das neue Anflugverfahren, das den Süden und den Osten von Landungen in den Randstunden entlasten soll, probeweise für zwei bis drei Jahre einzuführen, sagte der Winterthurer Stadtpräsident Ernst Wohlwend. Damit könnten Erfahrungen gesammelt werden. Dass der gekröpfte Anflug auf Sicht technisch möglich sei, habe das Bundesamt für Zivilluftfahrt (BAZL) bestätigt. Der Ernst der Lage sei in Bern noch immer nicht erkannt und die Verwaltungsprozesse wie auch die politischen Verhandlungen - insbesondere mit Deutschland - liefen «viel zu langsam», wetterten die Zürcher Behördenvertreter. Man fordere nun vom BAZL einen «verbindlichen Zeitplan» für den gekröpften Nordanflug, sagte Fluglärmforum-Süd-Präsident Richard Hirt. Der Landeanflug von Westen entlang der Landesgrenze auf Schweizer Gebiet mit einer Kurve gegen Süden knapp 10 Kilometer vor dem Pistenbeginn müsse in den Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL) aufgenommen werden. Über die Rechtmässigkeit der Südanflüge habe bis heute noch keine Rechtsmittelinstanz entschieden, sagte der Zürcher Stadtrat Robert Neukomm. «Rechtsstaatlich äusserst bedenklich» sei, dass viele Rechtsverfahren zu den Anflugverfahren «verschlampt» würden, fügte Wohlwend an. Und wenn sich nun die nördlichen Nachbarn gegen das neue Anflugverfahren wehrten, müssten eben sie dann den Rechtsweg beschreiten.

Ersatz für die Hälfte der Süd- und Ostanflüge

Etwa 40 bis 50 Prozent der Ost- und Südanflüge könnten durch Sichtflüge auf der gekröpften Nordanflugroute abgewickelt werden, sagte Hirt. In drei bis vier Jahren könnte «der Gekröpfte» praktisch immer geflogen werden. Über Jahrzehnte habe sich die Besiedlung rund um den Flughafen entsprechend der Nordausrichtung der Pisten entwickelt, sagte der Winterthurer Stadtrat Michael Künzle. Trotz der Überflugverbote über deutsches Gebiet in den Tagesrandstunden müsse wieder möglichst zur Nordausrichtung zurückgekehrt werden. (sbm/sda)

TA; 14.07.06



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Leserbrief im TA
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