Küsnacht wehrt sich gegen die Südstarts (ZSZ)

Publiziert von VFSNinfo am Di., 06.12.2016 - 21:24
Der Gemeinderat Küsnacht hat beim Bundesamt für Zivilluftfahrt eine Stellungnahme zu den geplanten Südstarts vom Flughafen Zürich abgegeben. Die Behörde lehnt den Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt kategorisch ab.

Der Gemeinderat Küsnacht zerreisst den überarbeiteten Sachplan Infrastruktur Luftfahrt (SIL 2) in der Luft. In diesem Licht kann seine Stellungnahme zum Plan, wie der Flughafen Zürich sich entwickeln soll, gesehen werden. Adressat ist das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Balz).
Das Bazl hat im September SIL 2 präsentiert. Es sieht unter anderem die Verlängerungen der Pisten 16 und 28 vor. Für die Region Zürichsee am nachteiligs- ten wirken sich die vorgesehenen bis zu 13 000 Südstarts geradeaus pro Jahr aus. Auch die seit 2000 heftig bekämpften Südanflüge am Morgen und Abend würden durch den Entwicklungsplan SIL 2 in Stein gemeisselt.

Keine Kapazitätserhöhung
Bereits haben 5000 Bewohner der Region ihre Einsprachen gegen die geplanten Südstarts geradeaus beim Bazl eingereicht. Jetzt doppelt der Gemeinderat Küsnacht nach. Die Gemeinde sei von den neuen Festlegungen negativ betroffen, heisst es in einer Medienmitteilung. Die Behörde wehrt sich «vehement und mit überzeugenden Gründen und Argumenten» gegen die Weiterführung der Südlandungen und gegen die Einführung von Südstarts. Gemeindepräsident Markus Ernst (FDP) verleiht dem Küsnachter Unmut deutliche Worte: «Bevölkerung und Behörden aus allen Himmelsrichtungen des Flughafens sind erbost über die Mogelpackung des SIL.»
In zwölf Punkten zerpflückt der Gemeinderat Küsnacht SIL 2. So erfülle der Entwicklungsplan nicht den Anspruch auf Rechtssicherheit für Sachund Richtpläne. SIL 2 enthalte keine ernsthafte Prüfung von alternativen Flugbetriebskonzepten. SIL 2 verstosse gegen die Grundprinzipien des Raumplanungsund Umweltrechts sowie der Lärmschutzverordnung.
Der Sicherheitsgedanke im Flugbetrieb bei Bise und Nebel werde missbraucht, um Kapazitäten zu erhöhen. Konkret verlangt der Gemeinderat: «Sämtliche Massnahmen wie Pistenverlängerungen, Rollwege, Enteisungsplätze, Flugbetriebskonzept etc. haben sich an den Sicherheitsund Betriebsoptimierungen und nicht an Kapazitätserweiterungen auszurichten.»

Verfahren sistieren
Südstarts und -landungen widersprächen auch dem Sicherheitsgedanken, wonach die heikelsten Flugphasen nicht ausgerechnet über dem dichtesten Siedlungsgebiet um den Flughafen geführt werden sollten. Genau dies ist aber laut der Küsnachter Stellungnahme bei SIL 2 der Fall.
Darum fordert der Gemeinderat, das Verfahren zu sistieren. Insbesondere sei der Einsatz der Flugbetriebskonzepte zu überarbeiten, von den Südstarts und -landungen abzusehen. Zudem dürfte die Zahl der Flugbewegungen nicht erhöht werden.

Christian Dietz-Saluz

ZSZ, 06.12.2016