«Der Fluglärm würde bloss verzettelt» (TA)

Publiziert von VFSNinfo am Fr., 26.02.2016 - 17:36
Für Dübendorfs Stadtpräsident Lothar Ziörjen macht es keinen Sinn, die Businessfliegerei vom Flughafen Zürich auf den Dübendorfer Flugplatz umzulagern.

Der Bundesrat überlegt sich, die Geschäftsfliegerei vom Flughafen Zürich auf den stillgelegten Flugplatz Dübendorf umzulagern. Was sagen Sie als Dübendorfer Stadtpräsident zum Luftfahrtpolitischen Bericht 2016 von gestern?
Der Bund fährt eine Strategie, die wir in Dübendorf nicht akzeptieren wollen. Neu ist sie nicht. Dieselbe Botschaft hat der Bund vor etwas mehr als zwei Jahren übermittelt. Damals entschied er, einen zukünftigen Betreiber für den Flugplatz Dübendorf mittels öffentlicher Ausschreibung zu suchen. Der gestern veröffentlichte Bericht ist im Übrigen bloss ein Strategiepapier mit Zielen und Stossrichtungen des Bundesrates. Falls die konkreten Verfahren – und es sind doch einige – dann einmal anstehen, werden wir unsere ablehnende Haltung weiterhin entschieden vertreten.

Was ist der Hauptgrund, dass Sie dagegen sind?
Unser Flugplatz würde durch die Auslagerung zur vierten Piste von Kloten. Es gäbe eine Verzettelung der Fluglärmbelastung im Glattal – eine Verteilung der Flugbewegungen und des Fluglärms auf ein grösseres Gebiet. Wir hätten den Flugbetrieb nicht konzentriert in Kloten, sondern ein Teil der Belastung und Beschallung würde das Glattal hinauf verschoben. Übrigens schafft der Bund da gleich auch einen raumplanerischen Zielkonflikt. Einen Widerspruch. Siedlungsverdichtung ist nämlich auch ein Bundesauftrag, den wir im Glattal umsetzen müssen.

Man will ein Gebiet dichter besiedeln und es gleichzeitig vermehrt mit Lärm eindecken.
Man verteilt den Lärm auf eine grössere Fläche mit vielen Menschen. Das ist vom Grundsatz her falsch. Es ist nicht zukunftsgerichtet, sondern retro.

Auf dem alten Militärflugplatz Dübendorf ist auch ein Innovationspark geplant. Eine Dynamik zu schaffen mit Geschäftsleuten, die anfliegen: Das könnte doch eine Chance sein. Die Nutzungen könnten sich ergänzen.
Sie müssen eines sehen: Die heutige Businessfliegerei spielt sich ganz in der Nähe von Dübendorf ab; die Distanz vom Flughafen Zürich nach Dübendorf ist minim, es sind zehn Autominuten. Der Flughafen Zürich ist distanzmässig für den geplanten Innovationspark äusserst interessant. Die Wertschöpfung wird aber nicht grösser, wenn mittlere Kader und Geschäftsleute Dübendorf direkt anfliegen. Man muss ja nicht direkt vor die Haustür des Innovationsparks fliegen.

Tages-Anzeiger, 26.02.2016


siehe auch:
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