Startseite   »   «Wir haben das AKW Kaiseraugst gebodigt – wenn nötig, werden wir auch den Flughafen bodigen.» (BAZ) Dienstag, 12. November 2019 06:17
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«Wir haben das AKW Kaiseraugst gebodigt – wenn nötig, werden wir auch den Flughafen bodigen.» (BAZ)
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Die Baselbieter Vertreter beim Euro-Airport wollen die Südanflüge begrenzen – eine längere Nachtruhe lehnen sie ab. Den Anwohnern platzt der Kragen.

In den Gemeinden in Flughafennähe kocht die Volksseele. Der Lärm im Umfeld des Euro-Airports hat in den vergangenen Jahren weiter zugenommen. So hat sich die Anzahl der lauten Überflüge nach 22 Uhr alleine in den letzten fünf Jahren verachtfacht. Noch verschärft wurde die Lärmsituation durch die Einführung des satellitengestützten Abflugverfahrens RNAV per Anfang 2019: Die neuen Flugrouten brachten in den geplagten Gemeinden im Süden des Flughafens noch mehr anstatt wie erhofft weniger Lärm.

Mittlerweile droht dort einigen der Kragen zu platzen: Er habe genug von den leeren Versprechungen und vom beschwichtigenden Gesäusel, sagte ein älterer Herr am Hearing des Flughafen-Schutzverbands am Mittwochabend mit dem zuständigen Baselbieter Regierungsrat Thomas Weber und EAP-Vizepräsident Raymond Cron. «Jetzt müssen wir aufstehen. Vor 40 Jahren haben wir das AKW Kaiseraugst gebodigt. Wenn nötig, werden wir auch den Flughafen bodigen.» Applaus im Allschwiler Jägerstübli.

Kleinkind wimmert im Schlaf – wegen dem Fluglärm

Die Binningerin Madeleine Göschke, die zum letzten Mal als Schutzverbands-Präsidentin auftrat, äusserte sich ähnlich: «Wenn nun nicht bald etwas passiert, werden wir andere Mittel ergreifen», sagte die Rentnerin zu Regierungsrat Weber – und überreichte ihm einen Gehörschutz. Etliche Voten waren kämpferisch, andere stimmten nachdenklich: Ihre zweieinhalbjährige Tochter schlafe mittlerweile im Keller, berichtete eine junge Mutter aus Binningen. «Zuvor hat sie wegen des Fluglärms gewimmert im Schlaf.»

Von Cron und Weber wollten die Anwohner endlich verbindliche Zusagen im Kampf gegen den Fluglärm hören. Diese erhielten sie allerdings nur teilweise. Das neue Flugverfahren RNAV bezeichnete Cron als «inakzeptabel»: «Ich verspreche Ihnen, dass ich nicht locker lasse, bis das korrigiert ist und wir wissen, was da genau schiefgelaufen ist», sagte der EAP-Vizepräsident. Die Flugrouten sollen laut Cron in Absprache mit der französischen Flugsicherung bis Sommer 2020 korrigiert werden. Das dauere viel zu lange, kommentierten Schutzverbands-Vertreter.
Zumindest ermutigende Signale gibt es aus Sicht der Flughafen-Anwohner bei der Begrenzung der Südanflüge. Seit drei Jahren erfolgten jeweils mehr als 10 Prozent der Ankünfte am EAP von Süden her; dies aus Sicherheitsgründen bei Nordwind-Lagen. Damit wird die im Abkommen zur Pistenbenützung festgelegte Quote von maximal acht Prozent überschritten. Regierungsrat Weber kündigte an, auf eine generelle Begrenzung der Südanflüge hinzuwirken.
Geschehen soll dies mittels einer Lockerung der geltenden Knoten-Regel: Heute wird bereits bei einer Rückenwind-Komponente von 5 Knoten auf Südanflüge umgestellt. Nach dem Willen Webers soll das Landeregime erst bei stärkerem Wind geändert werden. Laut Grünen-Landrätin Rahel Bänziger, die am Mittwoch zur neuen Schutzverbands-Präsidentin gewählt wurde, sind die heutigen Flugzeuge für eine Rückenwind-Komponente von 15 Knoten zertifiziert.

«Wohin will Easyjet denn abwandern?»

Regierungsrat Weber will sich nach eigenen Angaben generell für Massnahmen einsetzen, die den Lärm am Flughafen reduzieren, dessen wirtschaftliche Prosperität aber möglichst wenig einschränken. Deshalb sprach sich Weber auch gegen eine Verlängerung der Nachtflugsperre von heute 24 bis 5 Uhr auf 23 bis 6 Uhr aus, wie sie etwa der Flughafen Zürich-Kloten kennt.
Basel kann man nicht mit Zürich vergleichen», sagte Weber. Easyjet sei in Basel darauf angewiesen, täglich vier Rotationen fliegen zu können; davon hingen Tausende Arbeitsplätze ab. Bänziger entgegnete: «Wohin will Easyjet denn abwandern?». An allen umliegenden Flughäfen gälten restriktivere Öffnungszeiten, neben den Schweizer Landesflughäfen auch in Paris-Orly und in Frankfurt am Main. Zudem sei Easyjet in Genf mit vergleichbarem Angebot präsent wie in Basel – trotz längerer Nachtruhe.
Eine Ausweitung des Nachtflugverbots wäre zudem jene Massnahme, hinter der auch Anwohnerverbände im Elsass und in Süddeutschland ohne Wenn und Aber stehen könnten. Ein Elsässer Vertreter sagte: «Im Gegensatz zur Verschiebung der Flugrouten haben von einer längeren Nachtruhe alle Gebiete um den Flughafen etwas.»

Basler Zeitung, 22.09.2019