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Höchste CO2-Emissionen der Welt: Bei den Schweizern fliegt das Gewissen nicht mit (AZ)
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Mal schnell über Weihnachten in die Karibik fliegen? Eine Flugreise ist das grösste ökologische Desaster, das der ­einzelne anrichten kann. In Schweden formiert sich nun eine Bewegung gegen Vielfliegerei.

Wer die Vielfliegerei kritisierte, wurde bis vor Kurzem noch als Ökofundi, grüne Socke oder Moralapostel abgestempelt. In den Ferien am Vierwaldstättersee wandern statt nach Mauritius düsen? Ach, wie asketisch. «Der Flieger hebt ja auch ohne mich ab», sagt sich der Sonnenanbeter, der zur Instanterholung auf die Malediven jettet.

Klimawandel hin oder her – den Flug in die exotische Ferne lassen sich die wenigsten Schweizer nehmen. «Wir fliegen doppelt so viel wie die Menschen in den Nachbarländern und zehnmal mehr als der Weltdurchschnitt», sagt WWF-Sprecher Philip Gehri. Allein von 2010 bis 2015 sind die Flugkilometer pro Person in der Schweiz um 50 Prozent gestiegen, auf durchschnittlich fast 10'000 Kilometer pro Jahr.

Die Menschen in Schweden denken um. Allen voran der ehemalige Biathlet und Olympia-Sieger Björn Ferry. Als ihn das Fernsehen als Sportkommentator anfragte, sagte Ferry zu. Unter einer Bedingung: Er reist ausschliesslich mit dem Zug an die Wettkampfstätten in Italien, Slowenien und Norwegen. Ferry hat nicht etwa Flugangst. Es geht ihm ums Klima.

Bald unerwünscht wie ­ Pelztragen und Rauchen?

Mittlerweile hat sich in Schweden sogar ein neues Wort gebildet: Es heisst «flygskam» – sich seiner Flugreisen schämen. Die Schweden gehören zwar zu den Vielfliegern. Doch in den Medien häufen sich Beiträge wie jene des Kulturchefs der Tageszeitung Expressen, der den «idiotischen Lebensstil» des Vielfliegens als «teuersten Selbstmord der Weltgeschichte» anprangerte. Forscher und Künstler meldeten sich ebenfalls zu Wort: Fliegen sei für sie nun auch tabu.
Kulturministerin Alice Bah Kuhnke absolviert Termine in Paris, Cannes und Berlin nun per Bahn. Eine Facebook-Gruppe, in der Tipps über Bahnfernreisen ausgetauscht werden, bekam binnen weniger Monate 30'000 Mitglieder. Der Hashtag #flyingless bekam seine schwedische Entsprechung in #jagstannarpåmarken, «ich bleib auf dem Boden». Das sagt sich WWF-Sprecher Philip Gehri schon seit zehn Jahren. «Dafür war ich mit dem Zug vom Schwarzen Meer bis zum Nordatlantik an vielen schönen und auf ihre Art auch exotischen Orten.»

Wird die Vielfliegerei bald gesellschaftlich geächtet wie das Pelztragen oder Rauchen? «Die Zahlen sprechen eine andere Sprache», sagt Kai Landwehr von der Organisation My Climate, die sich für Klimaschutz einsetzt. Die Anzahl Flugpassagiere an Schweizer Flughäfen habe zwischen 2005 und 2017 um 73 Prozent zugenommen und zähle heute knapp 55 Millionen Passagiere pro Jahr. Der Flughafen Zürich vermeldet von Jahr zu Jahr neue Rekordwerte.
Die meisten Schweizerinnen und Schweizer wären wohl erst bereit, auf dem Boden zu bleiben, wenn alle Bäume abserbeln und schwefelgelbe Giftwolken über dem Land schweben würden. Der Klimawandel ist für die meisten abstrakt und weit weg. Betrachtet man den Hitzesommer 2018, gehören wir sogar zu den Profiteuren. Okay, ein paar Fische sind gestorben. Aber sonst? Es war prächtig mediterran.
Die Schweizer geben viel Geld für Reisen aus, besonders für Kontinentalflüge – zugleich liegt vielen der Umweltschutz am Herzen. Wir fahren Velo, kochen ab und zu vegetarisch, trennen den Abfall. Das sei schön und gut, sagt WWF-Sprecher Philip Gehri. Ein Flug nach Goa belaste das Klima aber mit 2,5 Tonnen CO2. Ein einziger Ferienflug könne das Klima stärker aufheizen als ein Jahr lang Auto fahren und das Haus mit Erdöl heizen. «Die Schäden eines Langstreckenflugs lassen sich mit einem umweltfreundlichem Lebensstil nicht ausgleichen.» Wer auf veganes und saisonales Essen umstelle – also überhaupt keine tierischen Produkte mehr zu sich nimmt – könne eine bis zwei Tonnen CO2 pro Jahr sparen. Sich in ein Flugzeug zu setzen, sei das Klimaschädlichste, was man als Einzelperson tun kann.

Die Leidtragenden sind weit weg

Extreme Gruppierungen in den USA verleugnen den Klimawandel sogar – ungeachtet der Folgen wie dem Anstieg des Meeresspiegels, Dürren und Eisschmelzen, die viele Lebewesen bedrohen.
«Obwohl wir die Intuition haben, dass Menschen moralische Verantwortung für den Klimawandel tragen, ist damit noch nicht klar, wer denn nun genau die Verantwortung trägt und ob ich persönlich einen Beitrag zu leisten habe», sagt die Zürcher Philosophin Kathrin von Allmen. Dies liege daran, dass die Leidtragenden räumlich und zeitlich sehr weit weg sind. «Es ist einfacher einzusehen, dass ich gegenüber einer Freundin eine Pflicht habe, als gegenüber einer Person auf einem anderen Kontinent, die vielleicht noch nicht einmal geboren ist.» Eine einzelne Handlung, wie ein Flug nach Bali, hat einen winzigen Effekt. Folgt daraus, dass es egal ist, wie man sich verhält? Dann müssen auch alle andern keinen Beitrag leisten. «Angesichts der leidvollen Konsequenzen scheint eine solche Nach-mir-die-Sintflut-Mentalität unbefriedigend», sagt Kathrin von Allmen. Wir wüssten, dass wir zum Klimawandel beitragen, aber gleichzeitig bestehe wenig Anreiz, persönlich etwas dagegen zu unternehmen. Das könnte sich ändern, Fliegen soll teurer werden. Die Nationalräte Bastien Girod und Maya Seiler Graf plädieren für eine Umweltabgabe auf Flugtickets, wie es sie in zwölf anderen europäischen Ländern schon gibt.

Moderator Arthur Honegger bekennt Farbe

Solange die Tickets spottbillig zu haben sind, heben die meisten weiterhin ab, um in New York zu shoppen oder an überfüllten Stränden zu liegen. «10vor10»-Moderator und Vielflieger Arthur Honegger ist das nicht egal. Er fasste den Vorsatz, 2018 halb so viel privat zu fliegen wie 2017. Und jetzt? «Fast erreicht: Total 9275 Flugkilometer statt 17'421. Ziel für 2019 jetzt: Nochmal 1/4 runter», twittert er. Es gehe darum zu tun, was man kann.
Der Tipp von Kai Landwehr von My Climate: Für CO2-Emissionen sollte jeder Verantwortung übernehmen. Wie für seinen Hausabfall, damit er anständig entsorgt wird.

Aargauer Zeitung, 05.12.2018


 
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