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Südanfluggegner landen auf dem Bundesplatz (ZOL)
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Oberländer wollen in einer Blitzaktion mit Parlamentariern ins Gespräch kommen.

In einer Blitzaktion haben gestern Abend Südanfluggegner einen Teil des Berner Bundesplatzes in Beschlag genommen. Für Politiker gab es neben Argumenten auch Risotto und Wein.

Ein Zelt, eine Fahnenstange, Tische, Bänke und selbst ein Lagerfeuer, alles, was zu einem Lager gehört, stellten 32 Südanfluggegner gestern ab 16.57 Uhr in einer Ecke des Bundesplatzes auf.

«Eigentlich bitten wir in Bern an Asyl, um endlich, nach 966 Nächten, einmal eine Nacht lang ohne Angst schlafen zu können», meinte gestern Thomas Morf, Präsident des Vereins Flugschneise Süd   Nein. «Seit dem 30. Oktober 2003 erleben wir jeden Morgen um 6 Uhr die Bedrohung der landenden Interkontinentalmaschinen in Tiefflug über unseren Hausdächern.»

Polizei schritt ein

Wie Morf allerdings gestern erklärte, werde es mit der geplanten Nacht vor dem Bundeshaus nichts. Um 22 Uhr brachen sie ihre Zelle wieder ab. Grund war die Polizei, die mehrfach gegen die nicht angekündigte und unbewilligte Aktion einschritt. «Wir haben schon länger an einer zündenden Aktion herumstudiert und auch Standorte gesucht. In den letzten drei Wochen haben sich die Pläne für diese Blitzaktion in der letzten Sessionswoche konkretisiert, erklärte Morf.

Immerhin konnten die Südaufluggegner aber in der Zeit, die ihnen auf dem Bundesplatz verblieb, mit einigen Nationalräten und auch Passanten ins Gespräch kommen und auf die Probleme in des Südanflugschneise aufmerksam machen. «Sicherheitsprobleme, Rechtsverweigerung und der gekröpfte Nordanflug als sinnvolle Alternative zu den Südanflügen und den zusätzlichen Ostanflügen werden thematisiert», hielten die Aktivisten fest.

Um den Politikern das Verweilen schmackhaft zu machen, gab es vor Ort zubereitetes Risotto mit Schneiser-Wein. Die Oberländer argumentierten, dass laut Statistik 60 Prozent der Flugzeugabstürze beim Landeanflug erfolgten und dies auf den letzten sechs Kilometern vor dem Pistenanfang. Bei den Südanflügen liegen in dieser Zone unter andern die dicht besiedelten Wohnquartiere von Schwamendingen. Das kinderreichste Quartier der Stadt Zürich mit 28 000 Einwohnern wird in 200 bis 250 Metern über Boden überflogen. «Die Menschen erleben die Jets im Tiefflug als tägliche Bedrohung   sie haben Angst», versuchten die Südanfluggegner den Nationalräten die prekäre Situation zu veranschaulichen.

Sicherheitslimiten auf Minimum

«Generell kann festgestellt werden, dass für den Südanflug diverse Sicherheitslimiten auf das gerade noch zulässige Minimum reduziert wurden. Damit werden die Vorschriften eingehalten, aber der Bevölkerung am Boden macht es Angst, wenn sie weiss, dass der kleinste Piloten  oder Fluglotsenfehler zu einem kontrollierten Flug in den Boden führen kann», hält der Verein Flugschneise Süd   Nein fest. Der frühmorgendliche Lärm lasse keinen ruhigen und stressfreien Schlaf zu. Bei schlechter Sicht oder Biesenlagen werde zudem auch nachts bis 0.30 Uhr von Süden angeflogen. Als Ausweg aus der jetzigen Situation versuchten die Oberländer den Politikern den gekröpften Nordanflug über Schweizer Gebiet schmackhaft zu machen. Mit welchem Erfolg, wird sich weisen müssen ... (cb)

ZOL, 22.06.06Externer Link



siehe auch: Eine Nacht ohne Angst (VFSN)


 
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