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Leserbriefe: Gegen maximale Flughafennutzung (NZZ)
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Dem  Artikel «Aviatisches Wachstum ist eine Chance», der Preis einer suboptimalen Flughafenausnutzung, von Prof. Franz Jaeger in der NZZ vom 29.12.2005, wurde in diversen Leserbriefen widersprochen. 

Update:
Uns erreichten neben zwei unveröffentlichten Leserbriefen auch noch einige Mails, in denen sich Schneiser aus Süd und Ost direkt an Prof. Jaeger wandten:

NZZ, 12.01.06

Franz Jaeger beklagt sich in seinem Artikel «Aviatisches Wachstum ist eine Chance» (NZZ 29.12.05) über eine suboptimale Flughafenausnutzung. Er wünscht sich aber keine optimale, sondern ganz klar eine maximale, unbegrenzt wachsende Flughafenausnutzung. Das wäre dann wirklich suboptimal, vor allem für die Anwohner! Statt, wie Herr Jaeger behauptet, klare Sichtverhältnisse zu schaffen, zündet er eine Nebelpetarde und verschweigt alle negativen Einflüsse des Flughafens auf die Volkswirtschaft.

Einen negativen Einfluss auf die Volkswirtschaft haben: Ferien von Schweizern im Ausland, da jährlich zirka 4 Milliarden Franken von Schweizern, die per Flugzeug verreisen, im Ausland ausgegeben werden. Weitere negative Einflüsse haben: Verluste einheimischer Betriebe durch Importe via Flugzeug, Verluste unseres Detailhandels durch Shoppingflüge, Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, Geld, welches für den Flugverkehr ausgegeben wird, fehlt anderen Branchen, Steuerausfälle (beispielsweise Treibstoffsteuer), Subvention der Luftfahrtindustrie durch Steuergelder usw.

Da wäre von den 20 Milliarden nicht mehr viel übrig. Für dieses verbleibende Sümmchen lohnt es sich dann wohl kaum, die weiteren Nachteile, die dieser unbegrenzte Wachstumswahn mit sich bringt, in Kauf zu nehmen: Wertverlust von Immobilien, höhere Gesundheitskosten, geringere Präsenz und Leistung am Arbeitsplatz, Verlust der Standortattraktivität der Region Zürich (Ruhe wurde noch bei jeder Umfrage in Sachen Standortattraktivität vor Direktflügen genannt), der Verlust von Lebensqualität von Hunderttausenden von Menschen und der Verlust des Glaubens an den Rechtsstaat. Ab einer gewissen Bewegungszahl werden die negativen Wirkungen des Flughafens grösser als die positiven. Dieses Optimum, den Grenznutzen des Ausbaus zu ermitteln, das wäre die Aufgabe eines Wirtschaftsprofessors, nicht das Nachbeten von Unique Parolen, die ein suboptimales Maximum der Flughafenausnutzung fordern.

Karsten Rohweder (Egg)

 


Professor Jaeger redet Klartext. Ohne Flughafenausbau droht der Schweizer Wirtschaft das Aus. Keine Geschäftsreisen mehr, keine Investitionen, kein Know how Transfer, das Ausland meidet den Standort Schweiz, der Konsum sinkt, Arbeitsplätze gehen verloren   es ist zum Heulen. Sehr geehrter Herr Professor, Sie haben da etwas falsch verstanden. Der Flughafen soll nicht geschlossen werden. Geschäftsleute, Schweizer, Touristen können weiter fliegen. Der Flughafen muss mit weniger Umsteigepassagieren und weniger Billigfliegern auskommen. Das ist ein Segen für die Umwelt. Sollte der Luftverkehr wieder einmal einbrechen, wir wissen wovon wir reden, so entfällt das Klumpenrisiko eines aufgeblähten Flughafens.

Edgar Blum (Fällanden)

 


Im Artikel «Aviatisches Wachstum ist eine Chance» klärt uns Franz Jaeger über den Preis einer suboptimalen Flughafennutzung auf und fordert die Ausnutzung der wachstumsökonomischen Schubkraft. Leider ist der Artikel sehr einseitig ausgerichtet und befasst sich lediglich mit den Opportunitätskosten einer Beschränkung des Flugbetriebes und der Wertschöpfung des Flughafens von rund 20 Milliarden Franken jährlich. Zwar ist die Schlussfolgerung richtig, dass ein demokratisches Zwangskorsett fatal wäre. Wie aber das Problem der vom Luftverkehr verursachten Immissionsfolgekosten in Milliardenhöhe gelöst werden könnte, zeigt der Autor nicht auf.

Nach Jahrzehnten einer suboptimalen Flugverkehrs Kostenverteilung ist in diesem Bereich ein Umdenken dringend nötig: Mobilität zum Nulltarif gibt es nicht! Und auf Kosten der Lärmbetroffenen zu fliegen, widerspricht dem Verursacherprinzip. Entsprechend sind die immissionsbedingten Minderwerte zumindest finanziell zu kompensieren. Durch belastungsabhängige Lärmrenten, welche bei veränderten Verhältnissen anzupassen sind, könnten die externen Kosten laufend vom Flughafen durch eine Gebühr von 5 bis 20 Franken (je nach Betriebssystem und aktuellem Zinsniveau) auf die Flughafenbenutzer überwälzt werden, ohne dass Liquiditätsengpässe entstehen. Durch eine ökonomische Konfliktlösung wird der Lärm zwar nicht beseitigt, aber wenigstens werden  neben einer verursachergerechten Verteilung der Flugverkehrskosten   Anreize für eine möglichst umweltschonende Lärmverteilung gesetzt.

Marco Vitali (Eggenwil)

 


Franz Jaegers Argumentarium für das ungebremste Wachstum des Flughafens Zürich beruht auf den Prognosen von Airbus, Boeing und anderen interessierten Kreisen. Der Airline Verband TATA beziffert die Verluste der Luftfahrt seit dem Jahr 2000 weltweit auf 42 Milliarden Dollar. Diese Kreise müssen schönreden. Könnte diese Branche nicht auf Pump einen ruinösen Verdrängungskampf betreiben und müsste sie auf das Kerosin, wie jeder anständige Automobilist aufs Benzin, 50 Prozent oder mehr Steuern abliefern, dann würde sich dieser Markt natürlich über die Preise regulieren.

Christian Spirig (Gockhausen)

 

Die zwei nicht veröffentlichten Leserbriefe:

Ich möchte gern in der NZZ einmal einen Artikel lesen über den Preis der so genannt optimalen Flughafenausnützung. Prof. Jaeger bezeichnet ihn als „die Immissionsfolgekosten für die im Einzugsgebiet des Flughafens wohnhafte Bevölkerung“ Er findet es sinnvoll, „das aviatische Mobilitätsangebot entsprechend der absehbaren Nachfrageentwicklung zu  erhöhen“. Dabei übersieht er, dass Nachfragen gesteuert werden können, mit Billigangeboten und Schnäppchenpreisen. Die Zunahme des Passagieraufkommens in Zürich erfolgt laut einer BAZL-Studie vor allem durch eine Erhöhung des Freizeitverkehrs und einer überproportionalen Zunahme der Umsteigepassagiere. Der Preis dieser hemmungslosen Flughafenausnützung ist eine massive Umweltbelastung, nicht nur in der unmittelbaren Flughafenregion, durch die Emission von Schadstoffen, hinzu kommt die Vernichtung von Lebensqualität durch Lärmimmissionen, ganz zu schweigen von der Vernichtung von Immobilienwerten.

Werner Fuchs (Wädenswil)

 

Sehr geehrter Herr Professor Jaeger, es ist absurd  eine Beschränkung der Flugbewegungen gleichzusetzen mit der Frage inwieweit die Schweiz an der Weltwirtschaft in Zukunft noch teilhaben wird. Sie tun so, als ob es darum ginge den Flughafen zu eliminieren, Arbeitsplätze zu vernichten und die Wirtschaft lahm zu legen.  Hier, Herr Jaeger, gilt es endlich klare Sichtverhältnisse zu schaffen, denn es geht nicht um die Befriedigung von global steigenden touristischen und geschäftlichen Interessen. Es geht um die unsinnige Idee einer grossen Drehscheibe für den internationalen Luftverkehr in Zürich, in unmittelbarer Nähe von Frankfurt, München und Mailand, Paris, die alle, wie Zürich, grosse Zahlen von Umsteigepassagieren brauchen um eine Hubfunktion aufrecht zu erhalten. In Zürich soll in den nächsten 15 Jahren der Anteil der Umsteigepassagiere doppelt so stark wachsen wie der, der lokalen Passagiere. Dieser Umsteigetourismus dient ausschliesslich den Flughäfen, die von Passagier- und Landegebühren leben. Er ist so unsinnig wie der Kartoffeltransport per LKW durch die Alpen und der Rücktransport als Pommes Chips.

Ein Begrenzung der Umsteigepassagiere, die die Schweiz nur von oben sehen, schadet unserer Wirtschaft nicht, auch wenn  einige Arbeitsplätze im Transitbereich weniger geschaffen würden (nicht verloren gingen!)

Die Anbindung der Schweiz an die Welt ist ausgezeichnet und wird es auch ohne schrankenlosen Ausbau des Zürcher Flughafens bleiben. Geschäftsleute können weiterhin reisen. Direktverbindungen zu den Wirtschaftszentren wird es weiter geben, aber wer nach Timbouktou will, muss vielleicht umsteigen, als Preis einer suboptimalen, aber umweltschonenden Flughafenausnutzung.

Martin Grossenbacher (Ebmatingen)

 

und noch einige Mails die direkt an Prof. Jaeger gerichtet wurden:

Sehr geehrter Herr Professor Jaeger

Mit Interesse habe ich Ihren Artikel in der NZZ zum aviatischen Wachstum gelesen. Mein Erstaunen war gross, als ich in der Unterschrift las, dass er vom "Leiter des Forschungsinstituts für empirische Oekonomie und Wirtschaftspolitik" der von mir hochgeachteten Universität St. Gallen stammt.

Ich habe darin nämlich recht wenige Fakten, die empirisch wohl zu ermitteln wären, gefunden, dafür umso mehr allgemeine Aussagen, die mir nicht fundiert scheinen. Es wäre z.B. interessant zu untersuchen, wieso Genf in den letzten Jahren des letzten Jahrtausends wesentlich besser wuchs und auch guten internationalen Zuwachs und Firmenausbau hatte, obwohl dessen internationale Verbindungen stets viel schlechter waren als die von Zürich und insbesondere, obwohl die Swissair just in jener Zeit Zürich zum alleinigen Hub erklärte, was Genf zigtausend Flugbewegungen "kostete" und Zürichs Bewegungen etwa gleich "wachsen" liess.

Es wäre vielleicht auch die Studie der Unternehmensberaterfirma Kienbaum zur Bewertung des Gutachtens „Volkswirtschaftliche Bedeutung des Flughafens Zürich“ zu würdigen, die das Gutachten der Infras AG mühelos zerreisst.

Jeder Statistiker weiss, dass es leicht ist, auch mit nur kleinen jährlichen Wachstumsraten, beeindruckende Vergrösserungen zu erreichen, wenn das Wachstum nur lange genug andauert und stabil ist. Die Kunst des Prognostikers liegt aber gerade darin, mögliche Trendbrüche zu erkennen und auszuleuchten. Dafür haben Sie aber nur gerade zwei - positiv gefärbte - Zeilen übrig. Man könnte die von Ihnen genannten Phänomene aber sehr wohl als Vorboten eines sich anbahnenden Trendstopps interpretieren. Immerhin ist die Exponentialkurve nie sehr lange haltbar, schon eher die Hysteresis (also eine Verzögerung der Auswirkungen).

Sie erwähnen das Problem, dass Flugzeuge Kerosin brauchen und dieses in den langen Zeiträumen, die ein Flughafen in seiner Planung betrachtet, immer rarer d.h. teurer werden dürfte, überhaupt nicht. (Auch ich fliege, solange das Fliegen durch einen ruinösen Konkurrenzkampf und staatliche Subventionen billiger ist, als jedes andere Vekehrsmittel und solange die anderen Verkehrsmittel nicht ebenso gefördert werden wie das Fliegen und deshalb "unbequemer" sind!)

Sehr verwundert bin ich auch, dass die Chancen eines City-Hubs in Zürich nicht angezweifelt werden. Es ist doch unbestreitbar, dass die nahen Mega-Hubs Frankfurt, München, Malpensa ungleich besser liegen. Und ökonomisch gesehen votieren wir doch immer für das "über die Grenzen hinausschauen" - oder?

Schon seit dem Sommer 2000 hat mich der seltsame Wachstumsglaube der Zürcher Flughafenlobby erstaunt und erzürnt, inzwischen wurden darin viele Milliarden verlocht. Es wäre eine Diplom- oder Doktorarbeit wert, ob diese nicht förderlicher investiert hätten werden können? Wie würden in so einer Studie die Aufwendungen einfliessen, die Zehntausende vom Flughafen gestörte, jedes Wochenende wegfahren lassen? Vermutlich ist das eine Stütze des BSP, aber sicher nicht eines - für ein hochentwickelten Landes viel wichtigeren - Lebensqualitätsindexes.

Ich hätte noch weitere Argumente aufgezählt, doch fand ich deren genügend in den Schreiben der Herren Karsten Rohweder, Ralph Weidenmann und Urs Dumermuth, diese will ich nicht wiederholen.

Ich hoffe sehr, es gibt bald eine hochschulwürdige Studie, die z.B. auch die Zeitkosten der Geschädigten korrekt einbezieht, und nicht nur die Zeit berechnet, die Geschäftsleute beim Umsteigen verlieren.

Mit freundlichen Grüssen
Heiner Graafhuis dipl.math.ETH MSIA Carnegie Mellon(Tepper) University, Pittsburgh
6045 Meggen

 

Sehr geehrter Herr Jäger

Ihr Artikel übertrifft meine Erwartungen in Sachen Marketing Kommunikation/PR. Sogar ich als Absolvent der HSG am Institut für Marketing und Handel bei Prof. Dr. Torsten Tomczak würde es kaum fertigbringen, so belanglose Worthülsen von der Hompagewww.weltoffenes- zuerich.ch als Artikel in der NZZ zu platzieren. Leider spricht das Resultat weder für Sie noch für die NZZ. Und dem Ruf der HSG ist dieser Artikel auch nicht gerade förderlich.

Ehrlicher wäre es gewesen, diesen Artikel als Publireportage zu normalen Anzeigentarifen zu publizieren.

Mit freundlichen Grüssen Urs Dumermuth
8708 Männedorf/Zone 34

 

Sehr geehrter Herr Jaeger

Ich bin etwas erstaunt über Ihren heutigen Artikel "Aviatisches Wachstum ist eine Chance" in der heutigen Ausgabe der NZZ. Als Oekonom müssten Sie eigentlich den Unterschied zwischen der Netto- und Bruttobetrachtung des induzierten Effektes kennen. Dass Unique sowie die ihr zugehörige zürcher Volkswirtschaftdirektion bewusst die falschen Bruttozahlen verwenden, ist der Polemik zuzuschreiben.

Hand auf's Herz: die induzierten Effekte aller Branchen erklären etwa 200% des BIP. Die 20 Milliarden Wertschöpfung sind deshalb eher Wunschvorstellungen denn Realität.

In einem völlig liberalisierten Markt, ohne Rücksicht auf Umwelt, Mitmenschen, Arbeitnehmer, Kinderarbeit, Menschenrechte etc. würde ein Unternehmen die höchsten Gewinnen machen. Damit diesem gefährlichen Gedankengut die Schranken aufgezeigt werden, braucht es eben Gesetze. Das Umweltschutzgesetz zur Einhaltung von Lärm- und Schadstoffaustoss ist für den Menschen und nicht für die Wirtschaft gemacht. Auch als Oekonom sollte man diesem Umstand Rechnung tragen und mit der nötigen Sorgfalt begegnen.

Die von Ihnen gewünschte Flughafenkapazität ist heute bereits Realität. 23 tägliche Flugverbindungen nach London (Stand heute) sollten selbst für verwöhnte Geschäftsleute genügen; oder nicht?

Ich wünsche Ihnen einen guten (=traditionellen) Rutsch ins Neue Jahr und ein nicht völlig liberalisierten 2006.

mit freundlichen Grüssen
Ralph Weidenmann, 8309 Nürensdorf

 

Sehr geehrter Herr Jaeger

Erlauben Sie mir eine paar Bemerkungen zu Ihrem neulichen Artikel in der NZZ: Ich war von Ihrem Artikel enttäuscht, weil Sie Professor für empirische Ökonomie sind, aber keine Ihrer Thesen und Behauptungen auch nur annähernd mit konkreten Zahlen untermauert haben. Das ist zu oberflächlich für ein Thema, dass zur Zeit so stark die Emotionen in der Region Zürich schürt und macht Sie als Kenner von wirtschaftlichren Vorgängen eher unglaubwürdig.

Wenn ich Airbus oder Boeing heissen würde, würde ich auch Studien anfertigen lassen die „beweisen“, dass man viel mehr Flugzeuge brauchen wird in der Zukunft. Hand auf’s Herz: Wer kann uns realistischerweise die Zukunft voraussagen? Auch Frau Regierungsrätin Fuhrer trappt immer wieder in diese Falle, da sie in ihrer Hauptfunktion ja Verwaltungsrätin der Flughafenbetreibergesellschaft Unique ist. Man lässt auf Seiten der Flughafenturbos munter Gutachten erstellen, für das was man beweisen will.

Ich halte mal dagegen und behaupte, dass die Wachstumsmöglichkeiten des Flugverkehrs, so es sie in Wirklichkeit in der Zukunft noch geben wird, vor allem auf die Kostenunwahrheit dieser Industrie zurückzuführen sind und durch sie ermöglicht werden. Keine Steuern für den Treibstoff, keine Zahlungen an die Umweltbelastung die erzeugt wird, staatliche Unterstützung im Konkursfall (Swissair!), staatliche Übernahme von Defiziten bei den Betreibergesellschaften und so weiter. So lässt sich natürlich als „geschützte Werkstatt“ (deren Leiter Andreas Schmid ist) vortrefflich und aus sicherer Deckung Wachstum fordern.

Wie wären aber zum Beispiel die Wachstumschancen des Luftverkehrs, wenn man ab sofort den Treibstoff voll besteuern würde? Könnten Sie das mal empirisch berechnen? Immer wieder wird aus Wirtschaftskreisen die Anbindung der Schweiz an die Business Center der Welt gefordert, um den Anschluss nicht zu verlieren und Wachstum zuermöglichen. Einverstanden. Nur: Konkrete Frage an Sie: Können Sie mir bitte eine Liste schicken, mit denjenigen Destinationen die Sie zwecks oben genannten Anforderungen zusätzlich von Zürich aus direkt anfliegen können wollen? Können Sie mir weiter auch begründen, warum Sie diese Destinationen neu oder vermehrt anfliegen wollen und inwiefern dies Wachstum erzeugt. Zur Erinnerung: In Europa fliegen die Flugzeuge durchschnittlich halb leer herum. Und zum Beispiel nach London hat Zürich einen engeren Flugtakt als der durchschnittliche S-Bahn-Takt zwischen Schweizer Städten! Muss ein Schweizer Manager in der Zukunft pro Tag zweimal nach London und zurück fliegen können, damit die Schweiz genug Wachstum hat? – Über eine solche konkrete Liste mit Destinationen und Begründungen würde ich gerne mit Ihnen weiterdiskutieren.

Bitte sagen Sie mir konkret auf Grund Ihrer empirischen Forschung, welche asiatischen und US-amerikanischen Gesellschaften den Investitionsstandort Schweiz wegen seiner aktuellen Luftfahrt Anbindung jetzt schon explizit meiden oder eine solche Absicht absehbar ist. Konkret bitte. Nicht Konjunktiv.

Zu den Arbeitsplätzen: Ich kann dieses Allerweltsargument, das wirklich für jede nur erdenkliche Argumentation herhalten muss, nicht mehr hören. Die Prognosen der verlorenen bzw. nicht geschaffenen Arbeitsplätze sind wahrlich euphorisch. Man will damit  dem Bürger Angst machen. Man will, dass er gefügig wird. Wenn der Flughafen aber in der Zukunft auf ein quantitatives Wachstum verzichtet (Begrenzung bei 250'000 Bewegungen pro Jahr) werden wir keinen heute angebotenen Arbeitsplatz verlieren. Die Arbeitsplätze die in der Vergangenheit verloren gingen sind ja vor allem auf die irrwitzige Wachstumsstrategie der unersättlichen Swissairmanager zurückzuführen und nicht auf die Anzahl der Flugbewegungen.

Können Sie die Abhängigkeit der Direktinvestitionen der Schweiz im Ausland von der Anzahl angebotener Flugbewegungen beweisen? Wohl kaum. Auch dieses Argument kann ich nicht nachvollziehen.

Herr Jaeger, ich würde Ihnen vorschlagen, dass Sie sich nochmals in der NZZ melden, wenn Sie die verbesserte Auflage Ihres Artikels bereit haben. Sie merken vielleicht an dieser Reaktion, dass wir Fluglärmbetroffenen (damit Sie mich richtig verstehen, ich bin kein Gegner des Flughafens, sondern für einen nachhaltigen, auch die lärmbetroffene Bevölkerung in die Planung mit einbeziehenden Flughafen) uns informiert haben und nicht mehr jeden Käse den man uns weismachen will einfach fressen. Da müssen Sie mit klaren Fakten kommen und nicht mit ein paar daher geschriebenen Sätzen. Ich bin gespannt, ob Sie mir eine Liste der von Ihnen zwecks Ausnützung der wachstumsökonomischen Schubkraft geforderten Destinationen mit klarer Begründung zuschicken können.

Freundliche Grüsse
Thomas Koch, 8312 Winterberg

 

Sehr geehrter Herr Professor Jaeger

Mit Interesse lesen und hören wir Ihre Stellungsnahmen zum Flughafen-Problem. Wir sind dabei konsterniert, dass Sie in Ihren Darstellungen ausschliesslich den wirtschaftlichen Nutzen, aber kaum je die Probleme der betroffenen Bevölkerung miteinbeziehen. Fragen der vielfachen gröbsten Verfassungs- und Rechtsverletzungen durch Bund und Kanton Zürich (die einschlägigen Artikel sollten Ihnen bekannt sein) lassen Sie ganz offensichtlich kalt, z.B.:

  • wenn eine Flugschneise dorthin verlegt wird, wo es gemäss unseren rechtlichen Bestimmungen gar keine Flugschneise geben darf,
  • wenn diese Flugschneise idiotischerweise dorthin verlegt wird, wo möglichst viele Menschen gesundheitlich geschädigt werden (zahlreiche medizinische Studien bezüglich der Langzeitschäden an Flughafen-Anwohnern in  Heathrow, Hamburg, Frankfurt, München und Wien bestätigen eindrücklich die gesundheits-schädigenden Einwirkungen und den negativen Einfluss auf die Lernfähigkeit von Schulkindern) und (statistisch erwiesen) die grössten Risiken bei Abstürzen bestehen,
  • wenn die Liegenschaften unzähliger Familien über Nacht unverkaufbar oder um 20 oder 30 % entwertet werden,
  • wenn die Steuerbehörden in ihren Forderungen diese Wertverluste nicht mitberücksichtigen wollen,
  • wenn dadurch die familiären Haushaltspläne, z.B. Schulungskosten für Jugendliche, Reserven fürs Rentneralter, Alters- oder Pflegheim, geplanter Erbteil für Nachkommen, etc., ohne jede Schuld der Betroffenen zusammenbrechen.
  • wenn die meist älteren Betroffenen (ab 70 zügelt niemand mehr freiwillig) für ein Verbleiben im mühsam ersparten eigenen Heim eine Riesensumme für Schallschutzfenster aufwenden müssen (in unserem Fall rund 78'000.-- Fr.), und die Verursacher nicht bereit sind, die Kosten zu übernehmen, wobei zudem der Aussenwohnwert der Liegenschaft, des Quartiers oder gar der ganzen Region brutal abnimmt.
  • Mit dem japanischen Shinkansen könnte ab Zürich Frankfurt in 2,1 Stunden, München in 1,6 Stunden und Stuttgart in 1,3 Stunden erreichbar sein – von Zentrum zu Zentrum, mit viel höherem Reisekomfort und bei vergleichbaren topografischen Verhältnissen. Unzählige Transit- und Kurzstreckenflüge ohne direkten wirtschaftlichen Nutzen für unser Land könnten gestrichen werden.
  • Schliesslich: das Flughafen-Problem betrifft immerhin rund 300'000 Bürger unseres Landes, mehr als in jedem unserer 18 kleinsten Kantone leben! Wir sind zu viele Male in halbleeren Jets interkontinental und in Europa geflogen und haben in unzähligen Flughafen-Shops zu viele Geschäfte ohne genügende Kundschaft gesehen, um feststellen zu können, dass es im Luftverkehr an ganz anderen Orten mangelt und die Wachstumsprognosen auf völlig falschen Vorstellungen beruhen.

Sehr geehrter Herr Professor, wenn Sie all diese Facts – und noch viele mehr – in Ihren Bewertungen und Statements nicht berücksichtigen, so meine ich, sind Ihre Äusserungen zum Problem Flughafen nichts als „professorales“ hohles  Gerede! Diese Politik ist der Schweiz und ihren betroffenen Bürgern nicht würdig.

Mit freundlichen Grüssen
Adrian Schoop, Gockhausen

 

Sehr geehrter Herr Professor Jaeger

Wohnhaft in der zu Unrecht überflogenen Südschneise möchte ich Ihnen zu Beginn des dritten Anflugjahres sagen, dass ich mit Ihrem Artikel in  der NZZ vom 29. Dezember 2005 nicht einverstanden bin und protestiere.

Und wenn schon Ihrer Meinung nach die gesamte Wohnbevölkerung der Schweiz (ausser uns Betroffenen!) positiv vom Flughafenbetrieb betroffen ist, dann soll die gesamte Wohnbevölkerung der Schweiz gefälligst ihren Obolus zugunsten von uns widerrechtlich Überflogenen leisten. Vielleicht lassen Sie mich Ihre ernst zu nehmenden Vorschläge hiezu wissen?

Freundlich grüsst
Waltraud Borsodi, 8132 Egg ZH

 

Sehr gehrter Herr Jaeger

Was um Himmels Willen ist nur aus dem kritischen Franz Jäger früherer Jahre geworden? Ein willfähriger "Auftragsschreiber" des Komitees für ein geldoffenes Zürich? Ok, das ist natürlich viel lukrativer als das, was Sie früher gemacht haben. Als Wirtschaftsspezialist merkt man es natürlich früher oder später, auf welche Seite man sich schlagen muss, damit es der "privaten Wirtschaftlichkeit" am besten dient. Ich muss zugeben, der Titel "Der Preis einer suboptimalen Flughafenausnutzung" trifft den Nagel auf den Kopf. Den Preis dieser "suboptimalen Flughafenausnutzung" bezahlen die Anwohner. Kennen Sie den Unterschied zwischen maximaler und optimaler Nutzung? Ich wette, Sie haben diese zwei Begriffe verwechselt!

Viel neues haben Sie nicht geschrieben, offensichtlich gibt die NZZ jeden Monat (sponsored by Komitee für ein geldoffenes Zürich?) einem anderen Autor die immer gleichen "Argumente", welche dann einfach in neue, wie auch in Ihrem Fall, extrem leere Worthülsen gekleidet werden. Frustriert mussten die Anwohner diverser Flughäfen in Deutschland, die mit dem Versprechen "Arbeitsplätze" ausgebaut wurden, feststellen, dass nicht ein Bruchteil der versprochenen Arbeitplätze tatsächlich geschaffen wurde. Aber wir können das Feldexperiment natürlich auch noch in der Schweiz durchführen. Eigentlich sollten aber gerade die Wissenschafter der HSG solche Feldexperimente überflüssig machen, anstatt sie zu fördern.

Wirtschaftsberater raten Kleinunternehmen davon ab, sich von einen einzigen, zudem extrem krisenanfälligen Kunden abhängig zu machen. Genau das empfehlen Sie aber dem ganzen Land: Unser Wohlstand hängt also an einem seidenen Faden: Ein nächster Terroranschlag, ein nächster Krieg, das nächste Grounding und unsere Wirtschaft wäre bei die Abhängigkeit von der Luftfahrtindustrie ruiniert.

Herr Jäger, glauben Sie wirklich an diese Studie (Nachfrageprognose) des Bundes? Hätte der gute alte Franz Jäger von früher solch eine Studie nicht in der Luft zerrissen? Garantiert! Eine Studie, die nicht einmal die Gegenwart korrekt abbilden kann? (siehe Verkehrsstatistik vom NovemberExterner Link (Unique)). Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, erreichen zwar die Passagierzahlen ungefähr den Wert, den die Studie voraussagt, allerdings nur dank fast 80 % Umsteigepassagieren. Gerade die Umsteigepassagiere werden von der Studie aber auf maximal 35 % vorausgesagt! Eine Frage an den Wirtschaftsspezialisten: Was nützen 80 % Umsteigepassagiere unserer Wirtschaft?

Gekonnt vermischen Sie Geschäfts- und Ferienflüge. 10 % Geschäftsflüge wären natürlich auch etwas jämmerlich, um den Leuten wirklich Angst zu machen, dass unsere Manager in ihrer Globalisierungswut durch eine Plafonierung gebremst würden! Klar, die per Flughafen einfliegenden Touristen können unsere Ferienorte gut gebrauchen; nur dumm, dass die Schweizer, die per Flugzeug in die Ferien fliegen, etwa gleich viel Geld im Ausland ausgeben, wie unseren ausländischen Feriengäste einbringen. 90 % der Flugbewegungen für ein Nullsummenspiel. Beeindruckend, diese wirtschaftliche Effizienz unseres Flughafens! Falsch, so darf man natürlich nicht rechnen, wenn Geld ins Ausland fliesst, heisst das "Bedürfnisse befriedigen". Nur peinlich, dass diese Bedürfnisse 1. künstlich erzeugt, 2. per Steuergelder gefördert und 3. offensichtlich wichtiger als RPG und USG sind. Seit wann steht das Befriedigen von Bedürfnissen über dem Gesetz? Könnte man diese Bedürfnisse ev. per Bahn befriedigen? Wenn ein Bahnbillett in Europa maximal 19 Euro kosten würde, dann hätte das einen massiven Einbruch der Kurzstreckenflüge zur Folge!

Sehr schön fand ich auch folgende Passage in Ihrem Artikel:

"Dabei werden hochwertige Wertschöpfungsprozesse und administrative Aufgaben weiterhin am Hauptsitz erledigt, was im Inland zusätzliches BIP und Arbeitsplätze entstehen lässt." Im Klartext heisst das: Entlassungen in der Schweiz, eine grosse Anzahl Arbeitsplätze wird ins Ausland verlagert, aber das ist ja egal, für was haben wir denn eine Arbeitslosenversicherung? Natürlich, sonst ginge die Firma ganz pleite. Aber die Arbeitsplätze müssen ja auch nur deshalb ins Ausland verlagert werden, weil einheimisches Schaffen durch Importe per Flugzeug konkurrenziert wird. Die Katze beisst sich in den Schwanz!

Auch ich wurde in jungen Jahren gezwungen, Wirtschaftsvorlesungen zu besuchen, zum Glück nur im Nebenfach. Aber dort habe ich gelernt, dass Geld ein begrenztes Gut sei. Ist das heute nicht mehr gültig? Könnte es sein, wenn wir in 15 Jahren wirklich doppelt so viel Geld wie heute fürs Fliegen ausgeben, dass dieses Geld anderen Branchen fehlt? Könnte es sein, dass die über 10 Milliarden Steuergelder, die wir mit dem Dock Midtfield und der Swiss sinnlos verbraten haben, jetzt irgendwo fehlen?

Selbst wenn Sie recht hätten mit ihren Behauptungen: Ihre Argumente genügen also, um die Raumplanung und das USG zu beerdigen. Das ist fast so "witzig" wie jener Automobilclub, der forderte, dass die Grenzwerte für Luftschadstoffe gefälligst so festgesetzt werden, dass sie nie überschritten werden.

Wie wäre es denn man mit etwas Kostenwahrheit? Müsste man nicht berücksichtigen, dass der Luftverkehr, gemessen an seiner geringen Transportleistung einen extrem grossen Beitrag zum Treibhauseffekt leistet? Diverse Wetterextreme und vor allem deren Kosten lassen grüssen!

Wie wäre es, wenn Sie auch die negativen Seiten des Flughafens in Ihre Rechnung einfliessen lassen würden? Z.B. Ferien von Schweizern im Ausland (ich will niemandem einen Ferienflug verbieten, aber vom wirtschaftlichen Nutzen des Flughafens müssen solche Flüge trotzdem abgezogen werden!), da wären schon einmal ca. 4 Milliarden weg. Verluste einheimischer Betriebe durch Importe via Flugzeug, Verluste unseres Detailhandels durch Shoppingflüge, Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland, Geld, welches für den Flugverkehr ausgegeben wird, fehlt anderen Branchen, Steuerausfälle (z.B. Treibstoffsteuer), Subvention der Luftfahrtindustrie durch Steuergelder. Da wäre von Ihren 20 Milliarden nicht mehr viel übrig. Für dieses armselige Sümmchen lohnt es sich dann wohl kaum, die weiteren Nachteile, die dieser unbegrenzte Wachstumswahn mit sich bringt, in Kauf zu nehmen: Wertverlust von Immobilien, höhere Gesundheitskosten (Lärm macht krank), Verlust der Standortattraktivität der Region Zürich ("Ruhe" wurde noch bei jeder Umfrage in Sachen Standortattraktivität vor "Direktflügen" genannt), der leider nicht monetarisierbare Verlust von Lebensqualität von hunderttausenden von Menschen und der Verlust des Glaubens an den Rechtsstaat? Wäre es nicht die Pflicht einer HSG, diese Gesamtbilanz aufzuzeigen? Um Unique-Parolen nachzubeten, braucht es keine HSG-Professoren!

Es freut mich natürlich, dass Sie durch Ihren sicher gut bezahlten Artikel (oder zumindest an den positiven Folgewirkungen dieses Artikels) an der Wirtschaftlichkeit des Flughafens direkt partizipieren können. Ist es eine böswillige Unterstellung zu vermuten, dass dieser Artikel aus dem Lärmfond bezahlt wurde? Als Wirtschaftsfachmann können Sie uns natürlich problemlos nachweisen, dass dies kein Missbrauch des Lärmfonds darstellt, denn je mehr geflogen wird, desto mehr Geld landet im Lärmfond, desto besser werden wir vor Lärm geschützt. Sehr stichhaltiges Argument! Genau so stichhaltig wie die Argumente in Ihrem Artikel!

Ein zutiefst enttäuschter, ehemaliger "Franz Jäger-Fan"

Freundliche Grüsse
Karsten Rohweder, Egg


siehe auch:
«Aviatisches Wachstum ist eine Chance» (NZZ, 29.12.06)