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Leserbrief: Regierungsrat hat Eigeninteressen
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Flughafen: Plafonierung reduziert Wachstum (und weitere Berichte), TA vom 24. 6.

Mittlerweile wurde die Langfassung der Infras-Studie zur «Volkswirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens Zürich» veröffentlicht. Dieser Detailbericht legt weniger Wert auf die breit publizierten Bruttoeffekte einer Plafonierung, sondern setzt primär auf eine Nettobetrachtung. Die angeblichen Verluste des Plafonds bei 320 000 Bewegungen pro Jahr verschwinden somit fast völlig. Die Langfassung legt auch alle Annahmen offen: Bei den lärmbedingten Gesundheitskosten wird eine unterste Abschätzung verwendet, die deutlich zu tief liegen könnte, weil entsprechende Untersuchungen für den Flugverkehr fehlen. Die CO2-Emissionen des Flugverkehrs machen rund zehn Prozent der gesamtschweizerischen Emissionen aus und werden mit 0 (null) Franken eingesetzt. In der Europäischen Union wird zurzeit jedoch die Tonne CO2 zu über vierzig Franken gehandelt.

Ebenfalls interessant: Die Studie verfolgt einen produktionsseitigen Ansatz. Sie geht davon aus, dass jedes Jahr 2,5 Prozent mehr Geld fürs Fliegen ausgegeben werden, d. h. irgendwann das gesamte Einkommen nur fürs Fliegen verwendet wird. Was passiert mit diesem Geld, wenn es (wegen eines Plafonds) doch nicht fürs Fliegen und Konsumieren im Ausland ausgegeben wird? Dieser alternative Konsum fliesst wiederum in die Wirtschaft, einfach nicht in die Flughafenwirtschaft.

Oder umgekehrt: Werden tatsächlich jährlich 2,5 Prozent mehr fürs Fliegen ausgegeben, so nimmt der Konsum in anderen Sektoren ab, und das verursacht Stellenverluste. Die Prognose, dass ein ungehindertes Wachstum des Flughafens bis 2020 bis zu 50 000 Arbeitsplätze schafft, sagt nichts darüber aus, ob diese Stellen durch heutige Arbeitslose besetzt werden können.

Die Regierung des Kanton Zürichs hat viele Probleme zu lösen: Eines davon ist das Amortisieren eines überdimensionierten Flughafens. Hierzu scheint es legitim zu sein, die Umweltkosten zu vernachlässigen und die Bruttogewinne herauszustreichen. Bleibt zu hoffen, dass das Stimmvolk seine eigene Abwägung trifft.

PATRICK HOFSTETTER, ZÜRICH