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Stunde der Grössenwahnsinnigen (Weltwoche)
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Von Urs Paul Engeler

Der Weltwoche liegt das entscheidende Protokoll der Swiss-Geburtsstunde vor – diese Art Blackbox beweist: Die Airline wurde ohne Rücksicht auf Milliardenverluste gegründet. Trotz Warnungen von Experten gingen die Kapitäne Moritz Leuenberger und Kaspar Villiger an den Start. (Weltwoche, 27.1.2005)Externer Link

Auszug:

...Es sitzen sich zwei Parteien gegenüber: Bund und Banken, die mit Macht ein rasches Ja einfordern, und die Crossair-Crew, die den Plan brav umzusetzen hat. Gegen 14.15 Uhr eröffnet Bundespräsident Leuenberger, als handle es sich um ein Routinetreffen und eine klare Sache, die rasch zu erledigen sei: Der Bund werde über die insgesamt 1,45 Milliarden Franken zur Fortführung der Swissair hinaus sich mit 600 Millionen an der neuen Flugfirma beteiligen.

Irritation im Sitzungszimmer

Entgegen den Erwartungen der vier Politiker nickt der Crossair-Ausschuss dem Angebot nicht zu. Im Gegenteil: Er warnt und warnt und sträubt sich gar, auf das Abenteuer einzusteigen. Moritz Suter hatte stets zu einer kleinen Lösung tendiert, nach der die Crossair nur acht bis zwölf Langstreckenflugzeuge der Swissair übernommen und damit die «Filetstücke» bewirtschaftet hätte – alles strikt auf (tieferer) Kostenbasis der Crossair. ...

...So viel Skepsis, Widerspruch und Renitenz haben die vier Spitzenpolitiker offensichtlich nicht erwartet. Die Irritation im Sitzungszimmer steigt. Moritz Leuenberger erkundigt sich gereizt:

«Bundespräsident Leuenberger stellt hinsichtlich dieser Aussage von M. Suter die Frage, ob er mit dem Hinweis darauf, dass das Projekt im nationalen Interesse liegen müsse, um vom Verwaltungsrat der Crossair gutgeheissen zu werden, damit zum Ausdruck bringen wolle, dass die wirtschaftlichen Zielsetzungen des Business Planes Phoenix Plus an sich nicht erreichbar seien.»

Was der Aviatikexperte, den Businessplan als politisches Wunschdenken zerzausend, umgehend bejahen muss:

«M. Suter erklärt, dass zahlreiche Annahmen des Business Planes mit grossen Unsicherheiten verbunden seien und somit die Umsetzung des Planes mit erheblichen Risiken verbunden sei. Der Plan habe in sehr kurzer Zeit erstellt werden müssen. So habe man sich bei der Erstellung des Planes weitestgehend auf historische Daten gestützt, die aus dem Zeitraum vor den verheerenden Ereignissen vom 11. September 2001 stammten (Zahlen des Jahres 2000 und der ersten Hälfte des Jahres 2001). Ohne das eminent wichtige öffentliche Interesse am Aufbau der vorgesehenen ‹neuen› Fluggesellschaft wäre das Vorhaben kaum zu rechtfertigen. Das Vorhaben gehe nicht auf die Initiative des Verwaltungsrates der Crossair zurück, sondern sei weitestgehend von Kreisen der Politik und der Wirtschaft getrieben worden.»


 
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