Startseite   »   Deutschland beschliesst beim Klimapaket auch höhere Steuern auf Flugtickets (NZZ) Samstag, 14. Dezember 2019 00:48
 Startseite
 English Content
 Verein/Kontakt
 VFSN-info
 Anlässe
 News
 Politik
 Fakten
 Häufige Fragen
 Leserbriefe
 Bild des Monats
 Monatsrückblicke
 Bilder
 Links
 - - - - - - -
 Mitglied werden
 Sitemap
 - - - - - - -
 043 816 21 31
 Lärmtel. Flughafen ZH
 Lärm-Mail

 
Deutschland beschliesst beim Klimapaket auch höhere Steuern auf Flugtickets (NZZ)
  Back print E-mail
In Deutschland sind am Freitag wesentliche Teile des Klimapakets beschlossen worden. Unter anderem mit einer Erhöhung der Luftverkehrssteuer soll der CO2-Ausstoss reduziert werden.

Der deutsche Bundestag hat am Freitag wichtige Teile des Klimapakets der Regierung beschlossen. Mit der Mehrheit von Union und SPD verabschiedet wurde insbesondere das Klimaschutzgesetz, das Emissionsvorgaben für unterschiedliche Wirtschaftsbereiche enthält.

Im Anschluss beschloss dar Parlament auch mehrere steuerrechtliche Gesetze zum Klimaschutz sowie den Einstieg in die CO2-Bepreisung für Verkehr und Gebäude. Von der Opposition kam massive Kritik – aus unterschiedlichen Gründen.

Umweltministerin zufrieden

Die deutsche Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) begrüsste das Bundestagsvotum für das Klimaschutzgesetz. Damit werde «Klimaschutz endlich gesetzlich verankert», sagte sie nach der Abstimmung. Der Bundestag habe damit eine «zentrale Weichenstellung» für mehr Klimaschutz auf den Weg gebracht. «Auch das Ziel der Treibhausgasneutralität 2050 wird damit erstmals gesetzlich verankert», hob die Ministerin hervor.

Mit dem Klimaschutzgesetz will die Regierung sicherstellen, dass Deutschland die zugesagte Minderung seiner CO2-Emissionen um 55 Prozent bis 2030 erreicht, verglichen mit dem Stand von 1990. Dazu wird festgeschrieben, wie viel CO2 in den kommenden Jahren einzelne Sektoren wie Energiewirtschaft, Industrie, Verkehr, Gebäude und Landwirtschaft noch ausstossen dürfen. Dafür ist auch ab 2021 ein Kontrollmechanismus vorgesehen. Wenn nötig, müssen die betroffenen Ressorts jeweils nachsteuern.

Beim Steuerrecht geht es unter anderem um die Senkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets, die höhere Besteuerung von Flugtickets und die Förderung energetischer Gebäudesanierung. Pendler sollen bei weiteren Arbeitswegen durch eine höhere Entfernungspauschale entlastet werden. Für den Treibhausgasausstoss in den Bereichen Verkehr und Gebäude soll ab 2021 zunächst ein Festpreis von zehn Euro pro Tonne CO2 gelten, der dann schrittweise weiter ansteigt.

Ungenügende Massnahmen

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter warf Union und SPD vor, «an der Menschheitsaufgabe Klimaschutz gescheitert» zu sein. Viele der geplanten Massnahmen seien «im besten Fall ungenügend» oder sogar kontraproduktiv. Das Klimapaket reiche «hinten und vorne nicht aus», sagte auch der Linken-Abgeordnete Lorenz Gösta-Beutin. Die Klimaziele seien so nicht zu erreichen. Nötig seien unter anderem ein rascherer Kohleausstieg und eine wirksamere Verkehrswende.

FDP-Fraktionsvize Frank Sitta bezeichnete das Klimaschutzpaket als «nutzlos für das Klima und teuer für die Bürgerinnen und Bürger im Land». Der CO2-Preis sei zu niedrig angesetzt, um eine Lenkungswirkung zu entfalten, bedeute aber hohen bürokratischen Aufwand. Die AfD stellte erneut den Sinn von Massnahmen gegen die Erderwärmung insgesamt in Frage und sprach von «Klimahysterie».

Kritik der Wirtschaft

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) begrüsste das Klimaschutzgesetz. Vorstandsmitglied Stefan Körzell forderte aber mehr Investitionen in klimagerechte Mobilität und Gebäudesanierung.

Kritisch äusserten sich Vertreter der Wirtschaft. «Das Gesetz zur nationalen CO2-Bepreisung legt die Axt an das deutsche Erfolgsmodell der funktionierenden Wertschöpfungsketten», erklärte BDI-Hauptgeschäftsführer Holger Lösch. Mehrere Branchenverbände warnten vor Wettbewerbsnachteilen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüsste aber das Förderprogramm zur Gebäudesanierung als «wichtigen Anreiz».

NZZ, 15.11.2019