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Kritiker: «Flughafen Zürich ist zu gross» (20min)
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Airlines zeigen kein Interesse an weiteren Flügen ab Zürich - Flughafen in der Krise?

Das Angebot am Flughafen Zürich schrumpft, neue Abflugrechte stossen auf kein Interesse. «Der Flughafen ist zu gross», sagt ein Kritiker.

Der Flughafen Zürich kassierte verbale Prügel, weil er neue Abflüge ab 22 Uhr durchboxte. Der Pilotenverband Aeropers, Politiker und selbst die wichtigste Airline am Flughafen, die Swiss, kritisierten den Ausbau. Diesen Ärger hätte sich der Flughafen sparen können. Denn für die beiden neuen «Slots», also Lande- und Startrechte, die ab 2020 zur Verfügung stehen, interessierte sich keine einzige Airline.

Es ist nicht die einzige schlechte Nachricht für den grössten Airport des Landes. Das Angebot schrumpfte zuletzt stark. Das Branchenportal Airliners.de rechnete aus, dass in der Wintersaison 2019 rund 200'000 Sitzplätze weniger ab Zürich angeboten werden als noch 2018. Insbesondere die Lufthansa-Billigtochter Eurowings baut ab.

Andere wachsen stärker

Bereits Mitte Jahr mussten die Flughafen-Manager das ursprüngliche Wachstumsziel von 3 Prozent mehr Passagieren auf 2 Prozent korrigieren. Selbst dieses Ziel scheint nun ambitioniert: In den ersten drei Quartalen wurde lediglich ein Plus von 1,6 Prozent registriert. Das ist deutlich weniger als an anderen grossen Flughäfen im deutschsprachigen Raum. Basel verzeichnet ein Plus von fast 9 Prozent, die Lufthansa-Hubs Frankfurt (2,3 Prozent), München (4,4 Prozent) und Wien (19,5 Prozent) ziehen ebenfalls davon. Wien dürfte Zürich dieses Jahr erstmals überholen.

Seit Juli sank die Zahl der Lokalpassagiere in Zürich zudem stetig. Ein Plus gab es in den letzten Monaten nur noch, weil immer mehr Transferpassagiere über den Flughafen geschleust wurden.

«Flüge ohne wirtschaftlichen Nutzen»

Das ist Kritikern ein Dorn im Auge. Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen, sagt: «Die Abhängigkeit von immer mehr Transferpassagieren, die mit Dumpingpreisen nach Zürich zum Umsteigen gelockt werden, birgt grosse wirtschaftliche Risiken für den Hub-Carrier Swiss.»

Der Flughafen brauche eine Entwicklung, die sich an den Bedürfnissen des Wirtschaftsraums Zürich orientiere. «Für Zürich ist der Flughafen zu gross, als Lufthansa-Hub aber offenbar nicht», so Hardegger. Über 70 Prozent der An- und Abflüge würden durch Lufthansa oder ihre Töchter wie die Swiss abgewickelt, «viele ohne grossen wirtschaftlichen Nutzen für Zürich». Die Klima-Diskussion werde zudem eine dämpfende Wirkung auf das weitere Wachstum haben.

«Regeln funktionieren»

Andreas Wittmer, Aviatik-Professor an der Universität St. Gallen, sagt, ein Grund für die Flaute sei die Abkühlung der Wirtschaft. «Aufträge gehen zurück und Unternehmen schränken ihre Feldaktivitäten ein.» Dass der Flughafen für die beiden neuen Slots keine Interessenten gefunden habe, sei sogar positiv: Es zeige, dass die neuen Lärmgebühren lenkende Wirkung hätten.

Beim Flughafen Zürich heisst es, man habe für 2019 nach Jahren des starken Wachstums mit einer Abschwächung gerechnet. «2018 sind wir nicht zuletzt wegen der neuen grösseren Flugzeuge der Swiss sehr stark gewachsen. Eine Konsolidierung zeichnete sich ab», so Sprecherin Sonja Zöchling. «Zudem spüren wir die abkühlende Konjunktur, den Handelskrieg zwischen den USA und China und die Unsicherheiten verbunden mit dem Brexit.»

Das Frachtvolumen sei bereits seit einem Jahr rückläufig – Vorbote der aktuellen Entwicklung. Auch viele deutsche Flughäfen verzeichneten ein schwaches Wachstum, im September sei es vielerorts sogar negativ gewesen.

Moderates Wachstum

Dass es keine Bewerber auf die beiden neuen Slots gab, liege auch daran, dass diese erst provisorisch und ohne «historische Rechte» vergeben werden. Hätten die neuen Abflüge nämlich negativen Einfluss auf die Pünktlichkeit, könnten sie auch wieder entzogen werden. «Die Nachfrage nach weiteren Langstreckenverbindungen besteht nach wie vor», so Zöchling. Das zeigten kürzlich geführte Gespräche.

Der Aufbau einer neuen Destination sei für Airlines aber mit hohen Kosten verbunden. «Die Tatsache, dass die neuen Slots noch nicht gleich per Ende März 2020 beansprucht werden, heisst nicht, dass keine Nachfrage besteht», so Zöchling. Mittel- bis langfristig gehe der Flughafen weiterhin von einem wachsenden Mobilitätsbedürfnis aus – wenn auch «moderat» mit durchschnittlich zwei bis drei Prozent pro Jahr.

20min, 06.12.2019


 
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