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Dank Flugscham: Die Eisenbahn erlebt eine Renaissance (NZZaS)
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Im ersten Halbjahr reisten deutlich mehr Schweizer mit dem Zug ins Ausland. In ganz Europa bauen die Bahnen aus, um mehr Reisende zum Umsteigen auf den Zug zu bringen.

Lange galten Eisenbahnfreunde als realitätsfremde Idealisten, die sich im Kursbuch besser zurechtfinden als im richtigen Leben. Wer cool war, verreiste mit Easy Jet übers Wochenende oder sauste mit seinem PS-starken Auto über Landstrassen und Autobahnen. Doch die Klimadiskussion verändert all dies nun.

«Die Eisenbahn steht nicht etwa vor einer Renaissance», sagt Benedikt Weibel. «Ihre Renaissance ist bereits in vollem Gang», so der ehemalige Chef der SBB und Kenner des internationalen Bahnsystems. Laut Weibel handelt es sich um einen langfristigen Trend. Nicht nur die Klimadiskussion spiele der Bahn in die Hände, sondern auch die unaufhaltsame Urbanisierung, welche die Bedeutung direkter und schneller Verbindungen zwischen den Zentren stetig ansteigen lasse.

Laut SBB-Sprecherin Sabine Baumgartner spürten die Bundesbahnen im ersten Halbjahr 2019 bei Zugreisen ins Ausland einen deutlich positiven Trend. Es lasse sich nicht sagen, wie stark diese Entwicklung auf die Klimadiskussion zurückzuführen sei. «Aus Kundenbefragungen wissen wir aber, dass Nachhaltigkeitsüberlegungen an Bedeutung gewonnen haben».

Auslandverkehr legt zu

Das Verkehrsvolumen auf den internationalen Verbindungen nahm laut der SBB-Sprecherin um 10% zu. Im Verkehr mit Nachtzügen wurden im ersten Halbjahr gar 25% mehr Reisende befördert. «Besonders gross war das Nachfragewachstum auf den Nachtstrecken nach Berlin und Hamburg», sagt Baumgartner. Die SBB haben bereits eine Erhöhung der Kapazitäten angekündigt. Zudem prüfen sie die Einführung neuer Nachtzugverbindungen in weitere europäische Städte. Ein Entscheid soll 2020 fallen.

Stark gewachsen ist die Nachfrage nach Zugreisen nach Frankreich. Das schweizerisch-französische Gemeinschaftsunternehmen TGV Lyria wird darum ab Dezember zwischen der Schweiz und Paris 30% mehr Sitze anbieten. «Ohne die Klimadiskussion hätten wir unsere Kapazitäten sicherlich nicht so stark ausgebaut», sagt CEO Fabien Soulet.

Es ist allerdings offen, ob das eine Trendwende oder ein kurzfristiges Phänomen ist. Am Flughafen Zürich erhöhte sich die Anzahl der Flugbewegungen im ersten Halbjahr 2019 um 0,9%. Wer aber auf den Zug umsteigt, kann das guten Gewissens tun.

Gemäss dem globalen Eisenbahnverband UIC hat der Hochgeschwindigkeitszug eine bis zu 14-mal bessere CO2-Bilanz als das Auto und eine bis zu 15-mal bessere als das Passagierflugzeug - und zwar gemessen über den gesamten Lebenszyklus, also inklusive Planung, Bau und Betrieb der unterschiedlichen Transportsysteme.

Heute lässt sich nicht seriös abschätzen, wie viele Reisende in Europa künftig statt des Flugzeugs den Zug nehmen könnten, so Thomas Sauter-Servaes, Leiter des Studiengangs Verkehrssysteme an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Klar ist aber: Die Eisenbahn befindet sich in ganz Europa im Aufschwung. Laut einer Vertreterin der IT-Anbieterin Amadeus ist in Schweden - dem Geburtsland des Begriffs «Flugscham» - die Anzahl der Zugpassagiere um 12% gestiegen, die Anzahl der Flugpassagiere um 4% gefallen.

KLM will Flüge durch Züge ersetzen

Selbst Airlines denken um. Tessiner Reisende müssen inzwischen mit dem Zug zu den Flughäfen nördlich der Alpen reisen, weil keine Flüge mehr angeboten werden. Die niederländische Airline KLM hat bekannt gegeben, sie wolle Flüge zwischen Brüssel und Amsterdam zurückfahren und durch Zugreisen ersetzen.

Überall in Europa tüfteln die Bahnmanager an neuen Angeboten. Die Niederlande werden ab Dezember 2020 wieder Nachtzüge nach München und Wien anbieten. In Deutschland will die Politik der kriselnden Bahn mit einem Investitionsprogramm auf die Beine helfen. Bis zum Jahr 2030 sollen über 156?Mrd.?€ fliessen. Das Netz wird erneuert, Rollmaterial angeschafft, Strecken werden ausgebaut.

Die Bundesregierung hat im Rahmen des Klimagesetzes auch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Bahntickets von 19% auf 7% beschlossen. Die niedrigeren Ticketpreise sollen das Bahnfahren attraktiver machen. Finanziert werden soll diese Massnahme durch eine neue Luftverkehrsteuer.

Steuer auf Flugtickets

Der deutsche Bahnchef Richard Lutz kündigte an, dass die Billette damit um 10% günstiger werden. Er erhofft sich dadurch jährlich 5?Millionen mehr Fahrgäste. Bis 2030 soll die Bahn ihre Nutzerzahl von heute 130?Millionen verdoppeln.

Preissenkungen sind allerdings nicht generell nötig. Eine Untersuchung des globalen Eisenbahnverbandes UIC kam zum Schluss, dass Zugreisen im Schnitt deutlich günstiger sind als Reisen mit dem Flugzeug. Nur weiss kaum jemand davon. In einer Präsentation schlägt der Verband darum eine grosse, insbesondere gegen die Billig-Airlines gerichtete Marketingkampagne vor, um den Preisvorteil der Eisenbahn endlich in den Köpfen der Reisenden zu verankern.

Die Bahnpreise könnten zudem noch weiter sinken. Die EU wird Ende 2020 den europäischen Bahnmarkt öffnen. Die französische Staatsbahn SNCF will dies nutzen und in Spanien einen günstigen Hochgeschwindigkeitsservice anbieten, der sich an den Billigfliegern orientiert. Dieser hat keine erste Klasse, keinen Service an Bord und kann nur online gebucht werden.

Die Betreiber der Hochgeschwindigkeitslinien von Eurostar (Grossbritannien) und Thalys (Frankreich/Belgien) haben bekannt gegeben, dass sie sich zusammenschliessen wollen. Das Projekt namens Green Speed hat ein klares Ziel: Passagiere von der Luft und der Strasse auf den Zug zu bringen. Dank besseren Verbindungen zwischen London, Paris, Brüssel, Amsterdam und Köln sollen die Passagierzahlen deutlich wachsen: von heute rund 18,5?Mio. auf 30?Mio. bis ins Jahr 2030.

Züge mit bis zu 1000 Plätzen

Auch die Schweiz kann noch ausbauen. Sollte die Nachfrage nach Zugreisen in Richtung Frankreich in den nächsten Jahren sehr stark steigen, könnte die Kapazität laut TGV-Lyria-Chef Soulet noch stärker erhöht werden. Dies würde den Kauf von Fahrzeugen erfordern. Die neuen Doppelstockzüge können bis zu 1000?Plätze anbieten – TGV-intern werden diese Kompositionen «Superjumbos» genannt. Möglich wäre auch eine weitere Verdichtung des Fahrplans und der Bau neuer Hochgeschwindigkeitsstrecken, welche die Reisezeiten weiter verkürzen würden.

Laut Soulet ist das Potenzial für Hochgeschwindigkeitszüge zwischen den grössten Städten in Europa gross. Bereits steige das Passagieraufkommen in Hochgeschwindigkeitszügen in vielen europäischen Ländern stark an.

Verkehrsexperte Thomas Sauter-Servaes warnt aber vor zu viel Optimismus. «Insgesamt ist der Schienenverkehr in den Spitzenzeiten in vielen Ländern am Kapazitätslimit», sagt er. Selbst wenn er noch ausgebaut werden könne, bleibe die Umstellung auf eine klimafreundliche Mobilität schwierig. «Wir haben die Dimension des notwendigen Umbaus unseres Verkehrssystems noch gar nicht richtig verstanden.»

Zudem wird der Zug in Zukunft faire Wettbewerbsbedingungen brauchen, um der Konkurrenz Kunden abjagen zu können. Anders als im Schienenverkehr gibt es europaweit im grenzüberschreitenden Verkehr keine Mehrwertsteuer auf Flugtickets. Viele Reiseportale im Internet weisen zudem die tatsächlichen Reisezeiten nicht korrekt aus. Laut Verkehrsforscher Sauter-Servaes setzen sie die von den Passagieren am Flughafen benötigte Zeit zu tief an.

Wenn allerdings eine Reise mit der Bahn von Tür zu Tür länger als fünf Stunden dauere, dann würden die Kunden auch in Zukunft «eher das Flugzeug nehmen», sagt Sauter-Servaes. Er plädiert darum für einen massiven Ausbau der Nachtzüge. Diese machen heute nur einen kleinen Prozentteil des internationalen Schienenverkehrs aus.

NZZ am Sonntag, 19.10.2019


 
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