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Neue Lärmgebühren mit Rabattklausel (ZU)
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Starts und Landungen in Kloten werden teurer. Auf Geheiss des Bundes hat der Flughafen höhere Lärmgebühren eingeführt. Das Ziel ist weniger Fluglärm am frühen morgen und spätabends.

Das neue Gebührenreglement des Flughafens sieht seit gestern deutlich höhere Lärmabgaben vor. Vor allem verspätete Abflüge kosten ab sofort deutlich mehr als bisher. Passagiere werden das allerdings nicht wahrnehmen. Die höheren Kosten dürften aufgrund des harten Preiskampfes in der Airline-Branche wohl nicht auf die Flugtickets überwälzt werden – zumindest vorläufig nicht. Sehr direkte Konsequenzen hat die Erhöhung der Lärmgebühren am grössten Flughafen der Schweiz aber für die Fluggesellschaften.

Hintergrund der Gebührenerhöhung ist eine erwünschte Lärmreduktion durch weniger Flüge in den Randstunden morgens und abends. So muss jede Airline, die Flüge zwischen 21 Uhr und 7 Uhr vornimmt, in Kloten ab sofort eine höhere Lärmabgabe von mindestens 50 und höchstens 18000 Franken leisten. Wobei der konkrete Preis abhängig ist von verschiedenen Faktoren, wie dem Zeitpunkt der Flugbewegung, dem Lärm, dem Flugzeug und ob der Flug sogenannt hubrelevant ist für den Standort Zürich. Dann nämlich greift ein Entlastungsmechanismus im neuen Reglement, was so viel bedeutet wie: Es gibt Rabatt für die betroffene Airline.

Nach 23 Uhr tun Gebühren erst richtig weh

Am stärksten betroffen ist die Fluggesellschaft Swiss. Dass der Marktleaderin vor Ort höhere Gebühren nicht gelegen kommen, überrascht nicht. Zwar geniesst die Swiss einen bewusst so eingebauten Schutz vor Wettbewerbsnachteilen, wie es seitens Bazl heisst, doch nicht zu jeder Zeit. So bekommt die Lufthansa-Tochter keine Ermässigungen auf verspätete Flüge, die nach 23 Uhr abgewickelt werden. Rabatte gibts nur für hubrelevante Flüge zwischen 21 und 23 Uhr sowie von 6 Uhr bis 7 Uhr morgens. Gemäss Ausführungen im neuen Reglement des Flughafens wird damit erreicht, dass sich die neue Gebühr wieder auf das bisher geltende Abgabeniveau absenkt. Als hubrelevant gelten Nonstopflüge über 5000 Kilometer mit einer genügend grossen Sitzauslastung.

Gegenüber dem Branchenportal Travelnews kritisierte die Swiss bereits am Tag der Einführung der neuen Lärmabgaben, dass die höheren Strafzuschläge das Verspätungsproblem in Zürich nicht lösen würden. Solange nicht während des Tages die nötigen Kapazitäten am Flughafen Zürich und im umliegenden Luftraum geschaffen würden, seien Verspätungen die Folge.

Rund viermal höhere Lärmabgaben

Ein Blick auf das Flugfeld am Vorabend des Inkrafttretens der neuen Gebühren zeigt, was sich allabendlich in Kloten abspielt. Mindestens vier Starts erfolgten da eindeutig nach 23 Uhr, aber noch in der halbstündigen Pufferzeit, die zum Verspätungsabbau bewilligungsfrei gewährt – und auch fast ausnahmslos benutzt – wird. Am Dienstagabend waren es zwei kleine Flieger sowie zwei Langstreckenmaschinen, die noch nach altem Reglement bemessen insgesamt 2200 Franken Lärmgebühren zahlen müssen. Nur einen Tag später wären diese nächtlichen Starts nach neuem Reglement deutlich teurer geworden. Seit gestern Mittwoch kosten dieselben Starts 8300 Franken.

Gemäss Angaben von Flightradar24.com handelte es sich um einen Easyjet-Flug nach London (Airbus A319; 200 Franken, neu 800 Franken). Auch ein Swiss-Flug nach Tel Aviv (Airbus A321; 400 Franken, neu 1500 Franken) war verspätet. Und ebenfalls nach 23 Uhr gestartet waren am Dienstag noch die zwei Swiss-Flüge nach Singapur und São Paulo (Boeing 777; je 800 Franken, neu 3000 Franken). Obwohl diese beiden Flüge als hubrelevant gelten, würde die Airline auf die höhere Lärmgebühr künftig keinen Rabatt erhalten – vor 23 Uhr aber schon. Dann beträgt die Lärmabgabe neu je 1500 statt 400 Franken wie zuvor.

Wirkung wird bezweifelt

Grundsätzlich würde am Züricher Flughafen eine siebenstündige Nachtruhe (23–6 Uhr) gelten. Doch in den letzten Jahren kam es zu einer starken Zunahme von nächtlichen Flügen. Denn der Flughafen darf zum Verspätungsabbau täglich bis 23.30 Uhr bewilligungsfrei Flüge abwickeln. Dass diese halbe Stunde inzwischen als regulärer Puffer täglich fast ohne Ausnahme benutzt wird, sorgte namentlich beim Schutzverband der Bevölkerung um den Flughafen Zürich (SBFZ) für Ärger.

SP-Nationalrat und Schutzverbandspräsident Thomas Hardegger sagte gestern gegenüber Radio SRF, der neue Zuschlag sei noch immer zu tief. «Die Gebühr ist nicht so hoch, dass sie den Fluggesellschaften Eindruck machen wird, insbesondere dann nicht, wenn es darum geht, Verspätungen zu vermeiden.» Wie sich die neuen Gebühren auswirken werden und ob sie überhaupt Wirkung zeitigen, das soll in zwei Jahren ein Bericht aufzeigen. So verlangt es das Bazl von der Zürcher Flughafenbetreibergesellschaft.

Zürcher Unterländer, 11.09.2019