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Kondensstreifen beeinflussen das Klima tatsächlich (NAU)
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Verschwörungstheoretiker sind überzeugt: Mithilfe der «Chemtrails» von Flugzeugen werden Klima, Wetter und gar Menschen beeinflusst. Ist da etwas dran?

Das Wichtigste in Kürze
  • Trotz Klimademos: Der Flugverkehr nimmt zu und damit gibt es auch mehr Kondensstreifen.
  • Verschwörungstheoretiker fürchten sich vor den von ihnen «Chemtrails» genannten Streifen.
  • Wissenschaftler belegen nun: Die Kondensstreifen beeinflussen das Erdklima tatsächlich.
  • Die Kondensstreifen tragen etwa gleich viel zur Erderwärmung bei, wie das CO2.

Greta und der Klimajugend zum Trotz: Der Flugverkehr nimmt stetig zu. Allein der Flughafen Zürich verzeichnete im letzten Monat einen Passagier-Zuwachs von 4,3 Prozent. Mehr als zwei Millionen Menschen nahmen für die Sommerferien, oder andere Reisen, den Flieger.

Das hinterlässt Spuren. Beim Klima, in der Atmosphäre – und ganz konkret am Himmel. Die Kondensstreifen nämlich.

Die weissen Bahnen am Himmel sind nicht nur Klimabewussten ein Dorn im Auge. Auch Verschwörungstheoretiker haben den «Chemtrails» den Kampf angesagt.

So entstehen Kondensstreifen

Flugzeuge fliegen durchschnittlich zehn Kilometer über dem Boden. Die Luft dort oben ist kalt, teilweise minus 40 Grad und weniger.

Die Lufttemperatur nun hat einen Einfluss darauf, wie viel Feuchtigkeit die Umgebung aufnehmen kann. Je wärmer es ist, umso leichter nimmt die Luft Feuchtigkeit auf.

Ist es hingegen sehr kalt, kann die Luft den Wasserdampf, der aus den Flugzeugtriebwerken strömt, auch aufnehmen. Statt sich zu verteilen, kondensiert der Wasserdampf darum. Es bilden sich winzige Wassertropfen, die künstliche Wolken bilden.

Chemtrails: Gift und Gas am Himmel

Verschwörungstheoretiker sind überzeugt: Die Streifen am Himmel sind chemisch angereichert. Gifte sollen das Wetter beeinflussen, das Klima verändern oder gar eine gezielte Bevölkerungsreduktion vorantreiben.

«Chemtrails» nennt man in diesen Kreisen die Kondensstreifen. Eine Mischung aus «Chemicals», also Chemikalien, und «Contrails». Das englische Wort für Kondensstreifen. Sind die Verschwörungstheoretiker tatsächlich einer Gefahr auf der Spur?

«Der Zusammenhang von Kondensstreifen und Klima ist komplex. Die Forschungen dazu sind am Laufen», bestätigt Stephan Bader von Meteo Schweiz.

Treibhauseffekt oder Kühlung

Den Forschern stellen sich zwei Fragen: Kondensstreifen können mit grossen Dunstschleiern verglichen werden. Verhindern diese, dass die von der Erde abgestrahlte Wärme ins All entweicht? «Dann würden sie den sogenannten Treibhauseffekt verstärken, der das Klima weltweit erwärmt», so Bader.

Es könnte aber auch sein, dass der weisse Dunstschleier das Sonnenlicht reflektiert. So stark, dass ein Teil davon gar nicht bis zur Erde durchdringt. «Dann würden die Kondensstreifen der Erwärmung unseres Planeten entgegenwirken», erklärt Bader weiter.

In der Schweiz wird dazu nicht weiter geforscht. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dagegen hat sich den Kondensstreifen angenommen.

Gleich schlimm wie CO2

«Kondensstreifen sehen zwar harmlos aus und bestehen nur aus Wasserdampf, tragen aber offenbar zur Klimaerwärmung bei», so das DLR. Mithilfe eines Forschungsflugzeuges untersuchen die Wissenschaftler die Fug-Abfälle in der Troposphäre.

Da ist einerseits das ausgestossene Abgas CO2, andererseits der kondensierte Wasserdampf. Der aktuelle Forschungsstand lautet: «Kondensstreifen tragen zu einer Erwärmung des Klimas bei. Möglicherweise sogar genau so stark, wie das von Flugzeugen ausgestoßene CO2.»

NAU, 25.08.2019


 
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