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Mehr Fluglärm für den Süden (ZSZ)
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Die Änderungen am Betriebsreglement des Flughafens werden nächste Woche öffentlich aufgelegt. Die geplanten Südstarts geradeaus dürften die Fluglärmdiskussion anheizen. Entlastung soll es am späten Abend geben.

Die Flughafen Zürich AG hat dem Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verschiedene Änderungen des Betriebsreglements zur Genehmigung eingereicht. Diese werden ab nächster Woche zusammen mit neuen Berechnungen der Fluglärmbelastung einen Monat lang öffentlich aufgelegt.

Überraschungen sind bei Anträgen keine dabei. Trotzdem beeinflussen sie wichtige Leitplanken für den Betrieb des Flughafens und die Diskussionen über das Ausmass und die Verteilung des Fluglärms. Bei den Änderungen handelt es sich um Vorgaben des angepassten Sachplans Infrastruktur der Luftfahrt (SIL 2) für den Flughafen Zürich. Dieser wiederum berücksichtigt Erkenntnisse der Sicherheitsüberprüfung von 2012.

Die Einführung von Südstarts geradeaus ab der Piste 16 ist die wohl wichtigste Änderung am Reglement. Grund dafür ist ein neues Bisenkonzept. Dieses wird nötig, wenn starke östliche Winde (Bise) dazu führen, dass aufgrund des Rückenwinds nicht mehr auf der Piste 28 in Richtung Westen gestartet werden kann. Das heutige Konzept führt zu zahlreichen möglichen Kreuzungspunkten von startenden und landenden Flugzeugen. Dies ist aus Sicherheitsgründen nicht erwünscht.

Das neue Bisenkonzept sieht vor, dass ab Piste 16 in Richtung Süden gestartet wird. Ein Teil der Flugzeuge dreht – wie bereits heute bei Südstarts – relativ kurz nach dem Abheben ab. Die Route der neuen Südstarts geradeaus würde bis in die Gegend des Pfannenstiels führen, wo die Flugzeuge in Richtung West oder Ost abdrehen. Flüge mit südlicher Destination würden noch etwas länger gerade aus fliegen und dann über dem Zürichsee abdrehen.

Die Abflugrouten ab Piste 28 sollen entflochten werden. Auch bei diesen Änderungen steht eine Verbesserung der Sicherheit sowie eine leichte Erhöhung der Anzahl möglicher Flugbewegungen pro Stunde im Vordergrund. Für weniger Starts nach 23 Uhr soll eine Erhöhung der Lärmgebühren sorgen. Bereits heute bezahlen Fluggesellschaften für Flüge nach 21 Uhr zusätzliche Gebühren. Die Nachtlärmgebühren sollen vor allem ab 23 Uhr deutlich erhöht werden. Dadurch steigt der Anreiz für die Fluggesellschaften, ihre Abendflüge pünktlich abzuwickeln – auch wenn dafür vielleicht vermehrt verspätete Anschlusspassagiere stehen gelassen werden müssen.

Die Einführung des neuen Bisenkonzepts sorgt für eine gewisse Umverteilung des Fluglärms. Gebiete im Osten des Flughafens werden während dieser Wetterlage entlastet. Gemeinden im Süden entlang der Achse von Piste 16 werden zusätzlich zu den Südanflügen künftig auch regelmässig startende Flugzeuge hören. Angewendet wird das Bisenkonzept erfahrungsgemäss während rund 5 Prozent der Betriebszeit. Die tatsächliche Anwendungszeit, die stundenweise festgelegt wird, verteilt sich auf rund 30 Tage im Jahr.

«Es gibt keine Alternative zum neuen Bisenkonzept mit Südstarts geradeaus», sagt Sonja Zöchling, Kommunikationschefin der Flughafen Zürich AG.
Das heutige Bisenkonzept sei aus Sicherheitsüberlegungen und aufgrund der hohen Komplexität nicht mehr zeitgemäss. Zudem sei es das schwächste aller Konzepte und schränke die Zahl der möglichen Flugbewegungen pro Stunde stark ein.

Andere Lösung bei Nebel

Immerhin verzichtet der Flughafen auf Südstarts geradeaus auch bei Nebel. Laut Zöchling hat man dort die Sicherheitsmarge mit anderen Massnahmen erhöhen können. Zudem erlaubten die Änderungen am Betriebsreglement eine flexiblere Pistennutzung tagsüber. «Auch das soll dazu beitragen, Verspätungen am Abend zu reduzieren.» Diese Bemühungen dürften den Fluglärmgegnern kaum genügen. «Wir werden uns die Änderungen genau anschauen. Sicher lehnen wir die Anpassung des Lärmkorsetts an die heutigen ungesetzliche Belastung ab», sagt Thomas Hardegger, Präsident des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Zürich. Die Gesamtbelastung der Bevölkerung müsse mit den modernen Flugzeugen abnehmen, durch die Zunahme der Flüge passiere das Gegenteil. Bezüglich der Kapazitätsplanung des Flughafens übt er grundsätzliche Kritik: «Der Flugplan wird so aufgestellt, als schiene an 365 Tagen pro Jahr die Sonne. Wenn es dann mal schneit, gewittert oder stürmt, wird einfach abends länger geflogen.» (Zürcher Regionalzeitungen)

ZSZ, 29.08.2018


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