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Was bringt ein Verbot von Kurzstreckenflügen? (20min)
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Vergleich von Städtetrips

Ein Vergleich in punkto CO2-Ausstoss, Fahrzeit und Preis zeigt: Nicht immer ist der Zug die ökologischste Variante – und das Fliegen nicht immer die schlechteste.

von Stefan Ehrbar

Kurzstreckenflüge innerhalb von Europa sollen verboten werden. Das fordert der Präsident der Baselbieter Grünen Bálint Csontos gegenüber «Primenews.ch». Die Menschheit verhalte sich verantwortungslos: «Wir haben versagt, weil wir der Fluglobby bisher immer den Vortritt gelassen haben.» Es sei ein Skandal, dass der Flugverkehr vom Klimaabkommen ausgenommen sei.

Kurzstreckenflüge innerhalb von Europa sollen verboten werden. Das fordert der Präsident der Baselbieter Grünen Bálint Csontos gegenüber «Primenews.ch». Die Menschheit verhalte sich verantwortungslos: «Wir haben versagt, weil wir der Fluglobby bisher immer den Vortritt gelassen haben.» Es sei ein Skandal, dass der Flugverkehr vom Klimaabkommen ausgenommen sei.

Doch wie viel CO2-Ausstoss verursachen Städtereisen mit dem Flugzeug tatsächlich? Wie viel ökologischer wäre es, nur auf der Strasse oder Schiene zu reisen – und wie viel mehr Zeit und Geld müsste dafür aufgewendet werden?

Eine Analyse von 20 Minuten, die sich auf verschiedene Quellen stützt (siehe Box), zeigt, dass eine Reise mit dem Flugzeug manchmal ökologischer sein kann als eine mit dem Auto. Nicht in allen Fällen ist die Reise mit dem Zug zudem sauberer als etwa jene mit dem Fernbus – gerade in Länder, in denen Züge mit Dieselantrieb oder einem wenig ökologischen Strommix unterwegs sind.

Die Vergleiche beziehen sich auf eine Reise am 5. September, die am 22. August gebucht wurde. Dabei wurde jeweils der günstigste Direktflug gewählt. Die Daten für die Eisenbahn beziehen sich auf die Buchung via Bahn.de oder Sbb.ch mit einem Halbtax-Abo. Die Autokosten beziehen sich auf die Kosten eines Musterautos, die der TCS für ein Auto mit einem Neupreis von 35'000 Franken und einer Laufleistung von jährlich 15'000 Kilometern auf 70 Rappen pro Kilometer beziffert. Darin sind sowohl Versicherung als auch Treibstoff und Amortisation enthalten.

20min, 24.08.2018





«Viele Leute fliegen, weil sie falsch rechnen»

Grüne Politiker wollen Kurzstreckenflüge verbieten. Ein Experte erklärt, weshalb das Sinn macht – und weshalb der Zug nicht immer am besten abschneidet.

Der Präsident der Baselbieter Grünen Bálint Csontos fordert ein Verbot von Kurzstreckenflügen. Die seien für das Klima zu schädlich. Der Verkehrssoziologe Timo Ohnmacht sagt, wieso er Sympathien für die Ideen hat und wieso sich die Menschen beim Reisen verrechnen.

Herr Ohnmacht, der Präsident der Basler Grünen will Flugreisen auf Kurzstrecken verbieten. Was halten Sie davon?
Ich halte das für sinnvoll. Vor dem Hintergrund des Klimawandels ist die heutige Situation nicht tragbar. Innereuropäische Flüge sind sehr schlecht für die Umwelt. Die Umweltschäden, aber auch die Schäden durch Lärm sind in den Billettpreisen nicht ansatzweise berücksichtigt. Zwar haben sich viele an die tiefen Preise gewöhnt, und es ist schwierig, das Rad zurückzudrehen. Fliegen muss aber teurer werden. Kerosin sollte besteuert werden. So würde auch die Zahl der Flüge zurückgehen.

Eine andere Möglichkeit wäre, die Eisenbahn attraktiver zu gestalten.
Attraktive und schnelle Verbindungen sorgen dafür, dass Menschen auf die Eisenbahn umschwenken. Das sehen wir etwa auf der Strecke zwischen München und Berlin, für die die Bahn seit diesem Jahr weniger als vier Stunden benötigt. Der Preis ist ein Hebel, die Zeit ein weiterer. Viele Leute bevorzugen aber auch das Flugzeug, weil sie falsch rechnen.

Wie meinen Sie das?
Die Anfahrt zum Flughafen wird oft nicht einkalkuliert. Zudem bringen Flugreisen Stress und Wartezeiten mit sich. Die Sicherheitskontrollen sind mühsam. Das Einsteigen in ein Flugzeug ist viel komplizierter als das Einsteigen in einen Zug.

Der Zug ist aber bezüglich Treibhausgasemissionen nicht das umweltfreundlichste Transportmittel, sondern der Fernbus.
Das hängt vom verwendeten Strommix ab. In der Schweiz ist etwa die Bahn unschlagbar. Der Fernbus ist aber tatsächlich sehr effizient, weil er viele Leute transportiert. Ein vollbesetztes Auto mit fünf Personen wäre auch relativ umweltfreundlich, nur beträgt die durchschnittliche Auslastung eines Autos nur 1,5 Personen.

Befürworter von Flugreisen sagen, die Rechnung sei falsch. Schliesslich müssten für Flugzeuge keine Tunnels oder Strassen gebaut werden.
Das ist richtig, aber selbst wenn die Energie, die in die Infrastruktur anderer Verkehrsmittel gesteckt wird, berücksichtigt wird, schneiden Flugzeuge immer noch schlecht ab.

Trotzdem sind Flugreisen auch innerhalb Europas sehr beliebt.
Mit dem Aufkommen von Billigairlines wurde das Fliegen positiv besetzt. Es war erstmals auch für grosse Massen erschwinglich. Mittlerweile hat sich das geändert, und die negativen Seiten des Fliegens werden eher beachtet. Mit Fernbussen stehen zudem günstige Alternativen zur Verfügung, die allerdings den Nachteil der sehr langen Reisezeit haben.

Wann macht eine Flugreise dennoch Sinn?
Auf längeren Strecken wird die Ökobilanz der Flugzeuge besser. Am meisten Kerosin wird während des Starts ausgestossen. Je länger ein Flugzeug in der Luft ist – etwa auf Interkontinentalflügen –, desto besser wird die Ökobilanz.

20min, 24.08.2018