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Toleranz für Südstarts? (Leserbriefe NZZ)
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Über die Felder meiner Grosseltern sind im Frühjahr noch die Gutsbesitzer geritten, wenn sie eine Hetzjagd angesetzt hatten. Die Bauern mussten tolerant sein und durften im besten Fall noch als Treiber etwas Kleingeld verdienen. Ist das heute, hundert Jahre später, am Zürcher Flughafen anders? Der mehrheitlich von der Deutschen Lufthansa mit ihren Schweizer Töchtern gesteuerte Luftverkehr über der Grossregion Zürich will seinen Geschäftsbetrieb ausweiten, und Werner Enz verlangt in der NZZ vom 3. März 2018 unter dem Titel «Ein Flughafen braucht Gestaltungsfreiheiten» vom lärmgeplagten Volk Toleranz.

Als vor fünfzehn Jahren die Südstarts eingeführt wurden, hiess es von den Zürcher Politikern: «Das ist keine definitive Lösung», wussten doch alle, dass der Lärm der Landungen dem Volk eigentlich nicht zumutbar ist. Seither wurden Gesetze gebrochen, andere zurechtgebogen, alles nur, damit wenige fliegen und viele fluchen können.

So kann es nicht weitergehen, denn die Landschaft zwischen Schwamendingen und der Forch wird unter diesem Druck zu einem Siedlungsbrei. Einst schöne und beliebte Gemeinden, wie Gockhausen, Zumikon und Egg, einschliesslich des Zollikerbergs, verarmen langsam. Wo andernorts die Immobilienpreise rekordmässig gestiegen sind, stagnieren sie seit 15 Jahren in der Landezone des Zürcher Südens. Wer an dieser Stelle vom Zürchervolk Toleranz verlangt, benimmt sich nicht anders als die Herrenreiter des frühen 20. Jahrhunderts.
Klaus J. Stöhlker, Zollikon


Einerseits schreibt Werner Enz davon, dass der SIL II endlich die Voraussetzungen für die Befriedigung der Zusatznachfrage schaffe. Worin besteht denn diese Zusatznachfrage? Konnten bis anhin Bedürfnisse nach Sicherheit oder Destinationen nicht erfüllt werden? Andererseits behauptet Enz, dass der Flughafen die Befindlichkeiten der örtlichen Bevölkerung berücksichtigen müsse und dies auch tue. Dem ist leider nicht so, denn 6 1?2 Stunden Ruhezeiten in jenem Gebiet der Schweiz, welches am dichtesten besiedelt ist, genügen nicht. Welches Kind, welcher Jugendliche kommt mit so wenig Schlaf aus? Und es soll noch schlimmer werden: Bei heute 29 Millionen Passagieren werden bis im Jahr 2030 50 Millionen Passagiere avisiert. Notabene rund 60 Prozent davon sind Umsteiger bzw. Transitpassagiere, damit die Wirtschaftlichkeit der Flughafen Immobilien AG und jene des Lufthansa-Konzerns stimmen. Und nebst den Südanflügen drohen bald Südstarts mit massiv höherem Lärmniveau. Ist es denn zwingend, dass die «...zahlreichen Babyboomer..., auch solche aus dem südbadischen Raum», ihre AHV-Zweitresidenz mit einem Nonstop-Flug erreichen? Dafür sollen die Lärmgeplagten mehr Toleranz aufbringen. Es ist an der Zeit, Vernunft, politisches Geschick in den Verhandlungen mit Deutschland und Weitsicht auch im Hinblick auf die Umweltbelastung walten zu lassen.
Eduard M. Rosenstein, Fällanden,
Geschäftsführer Verein Flugschneise Süd – NEIN

NZZ, 12.03.2018Externer Link, Seite 7




siehe auch: Ein Flughafen braucht Gestaltungsfreiheiten (NZZ)