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Flughafen plant GPS-Flüge (Sonntagszeitung)
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In Zürich sollen Flugzeuge künftig mit Satellitennavigation landen

Zürich
Der Flughafen Zürich will noch in diesem Jahr erste Testflüge für ein neues Landeverfahren mit GPS-Technik durchführen. Flughafenchef Thomas E. Kern sagt, das neue Verfahren sei ein «Verhandlungs-Trumpf» im Fluglärmstreit mit Deutschland.  Langfristig soll mit Hilfe der satellitengestützten GPS-Technik die Fluglärmbelastung in ganz Europa verringert werden.

Von Sebastian Ramspeck

Dank GPS könnte zum Beispiel der «gekröpfte Nordanflug schon in einigen Jahren problemlos eingeführt werden», sagt Kern. Diese Flugroute würde den Lärm im Grossraum Zürich verringern - zulasten Deutschlands. Auch andere Alternativrouten sind mit der neuen Technik denkbar.

Die Fluggesellschaft Swiss sei «sehr interessiert» am GPS-Verfahren, sagt Sprecher Franco Gullotti, und wolle für baldige Tests «Hand bieten». Dabei käme ein System zum Einsatz, das auch von Navigationsgeräten in Autos verwendet wird. Unter dem Projektnamen Chips bereitet der Flughafen seit vergangenem September satellitengestützte An- und Abflüge vor. Projektpartner sind neben der Swiss die Flugsicherungsfirma Skyguide und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl).

Es geht um einen Paradigmenwechsel in der gesamten Luftfahrt: Bislang starten und landen Flugzeuge entlang eines geraden Richtstrahls, der vom Boden aus gesendet wird. Nun sollen die Richtstrahlen durch Satellitensignale ersetzt werden. Damit werden An- und Abflüge auf kurvigen Routen möglich.

Eine solche Route ist der gekröpfte Nordanflug: Mit ihm will der Flughafen die morgendliche Sperrzeit umgehen, die Deutschland vor acht Jahren erliess und mit der sich Fluglärm aus bevölkerungsarmen Gebieten in Süddeutschland in den Grossraum Zürich verlagerte.

Als Alternative zu heutigen Routen wünscht sich der Flughafen einen Landeanflug von Nordwesten her, «gekröpft» die schweizerisch-deutsche Grenze entlang. Doch ein erstes Gesuch dafür lehnte das Bazl im Juli 2008 aus Sicherheitsgründen ab. Schon damals stellte das Amt jedoch klar, dass «ein gekröpfter Nordanflug, der als Präzisionsverfahren auf Satellitennavigation basiert», neu beurteilt würde.

Vom gekröpften Nordanflug zum Green Approach

Bazl-Sprecher Daniel Göring sagt, im Rahmen von Chips seien verschiedene GPS-Verfahren in Vorbereitung, darunter auch eines der Rega: «Über die Priorisierung der Teilprojekte wird in den kommenden Monaten entschieden.»

Wirtschaftlich und verkehrspolitisch ist der gekröpfte Nordanflug nur attraktiv, wenn eine grosse Zahl von Flügen abgewickelt werden kann. Dies soll nun mit Testflügen geklärt werden.

Im Sommer sollen zudem deutsche Lärmberechnungen vorliegen, welche die Grundlage bilden für neue Fluglärm-Verhandlungen zwischen den Regierungen in Bern und Berlin. Dabei, fordert Kern, sollen Routen wie der gekröpfte Nordanflug als «Verhandlungs-Trumpf» dienen.

Das Schweizer Chips ist in das europäische Sesar-Projekt eingebettet: Bis 2020 soll der EU-Luftraum wirtschaftlicher und umweltfreundlicher organisiert werden. Gleitflug- und GPS-Verfahren, kombiniert mit einer Neuorganisation der Luftstrassen, sollen den Green Approach ermöglichen. Der Fachbegriff steht für lärm- und schadstoffärmere Landeanflüge. Auf dem Flughafen Stockholm Arlanda soll heute der europaweit erste Green-Approach-Test stattfinden.

Kern ist zuversichtlich, dass der Green Approach dereinst den gekröpften Nordanflug erübrigen wird: «Aber die Schweiz kann den Green Approach nicht im Alleingang einführen, weil dafür die Luftstrassen europaweit neu gelegt werden müssen.»

Sonntagszeitung, 14.06.2009Externer Link




siehe auch:
«Deutsche Sperre gerät unter Druck (ZSZ)
«Flughafen-Problem ist lösbar» (ZSZ)
«Neue Ideen zügig umsetzen» (ZSZ)
Europäisches Luftraumprojekt gestartet (Unique)

 
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