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Schulterschluss ist jetzt gefragt (Leserbriefe ZSZ)
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Schulterschluss ist jetzt gefragt
Seit Deutschland seinen Luftraum frühmorgens und abends zum angeblichen Schutze seines Tourismus im Schwarzwald für die Kloten anfliegenden Flugzeuge mittels einer einseitigen Verordnung (DVO) schrittweise sperrte, hat sich vieles ereignet und verändert. Folgend einige wichtige Veränderungen:

  • Am 24. November 2001 verunglückte kurz nach 22 Uhr eine Crossair-Maschine bei Bassersdorf, weil diese wegen der deutschen Anflugsperre anstelle des ILS-gesicherten Nordanfluges zum ungesicherten Sichtanflug auf die Ostpiste gezwungen wurde. 24 Tote, und zwar nur, weil die Maschine wenige Minuten verspätet war und ihr die deutsche DVO den ILS-gesicherten Landeinflug verwehrte.
  • Die Swiss ist heute im Besitz der deutschen Lufthansa und nutzt den Flughafen Rieten mit über 50 Prozent aller An- und Abflüge.
  • Die Air Berlin errichtete Ende des vergangenen Jahres in Kloten einen Ferienflieger-Hub, der uns umweltbelastenden Umsteigeverkehr bringt.
  • Die Schweiz verzichtete bisher auf Gegenmassnahmen und ermöglichte den Deutschen eine Zollfreistrasse mitten durch ein einzigartiges Naherholungsgebiet in Riehen bei Basel.
  • Aus Deutschland kommen leider auch schrille Töne gegen die geplante Einrichtung des über Schweizer Gebiet führenden gekröpften Nordanfluges, um die schwersten Folgen der DVO etwas zu mildern. Dies hat jetzt aber beileibe nichts mehr mit dem Schutze des Schwarzwald-Tourismus zu tun!
  • Die süddeutsche Region profitiert überproportional vom Flughafen, durch direktes Nutzen der Verkehrsanbindungen wie auch seiner Arbeitsplätze. Dabei trägt diese Region bestenfalls ganze 5 Prozent vom durch Flugzeuge verursachten Lärm, weil sämtliche Starts nach wie vor ausschliesslich über Schweizer Gebiet führen.
  • Der Zürcher Stadtpräsident appellierte kürzlich in Inseraten an unsere nördlichen Nachbarn, die gegenseitige Win-Win-Situation im Sinne einer prosperierenden Nachbarschaft zu erkennen und die weltweit einmalige Anflugsperre gegen ein befreundetes Nachbarland zu lockern oder gar aufzuheben.

Anstatt uns in der Schweiz gegenseitig in Sachen Flughafen weiter selbst zu zerfleischen, ist ein schweizerischer Schulterschluss in der Flughafenfrage gegenüber Deutschland das wichtigste Gebot der Stunde. Unser Ziel ist die raschestmögliche Rücknahme der DVO durch Deutschland. Und dafür müssen sich Bürgerorganisationen, Politiker und ihre Parteien wie auch der Gesamtbundesrat mit Nachdruck einsetzen.
Ernst Huber-Spörri, Männedorf


Deutsche empört über Ledergerber
Mit einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg versucht Zürichs Stadtpräsident Elmar Ledergerber, die verhärteten Fronten aufzuweichen, erntet aber aus dem süddeutschen Raum kaum mehr als faule Tomaten. Wer den anständigen, kompetenten Brief sorgfältig liest, fragt sich allerdings, warum man sich ennet der Grenze empört. Immerhin arbeiten am Flughafen Zürich gegen 1000 deutsche Staatsangehörige; und 8 Prozent aller Passagiere, also fast 1,5 Millionen pro Jahr, die den Flughafen Zürich benutzen, wohnen in Deutschland. Alle weiteren wichtigen Punkte von Ledergerber stimmen ebenfalls. Wer muss sich hier über die einseitige deutsche Verfügung empören? Interessant ist, dass das Schweizer Fernsehen kürzlich in der DOK-Sendung über das Verhältnis der Schweizer zu den Deutschen einen hervorragenden Bericht ausstrahlte. Demnach werden die Deutschen in der Schweiz gut aufgenommen. Der einzelne Deutsche sei also kein Problem, erst wenn sich die Frage um das ganze Volk dreht, dann antworten die gefragten Zufallspassanten einhellig mit dem Adjektiv «arrogant».
Wenn also ein Land von einem wirtschaftlichen Standort nur profitieren will unter Ausschluss der Lasten, dann ist diese Beschreibung zutreffend. Dass die Mehrheit unserer Politiker dieser Übermacht nicht nur militärisch, sondern auch verbal nicht gewachsen ist, sollte einmal kommuniziert werden, denn nur unter diesem Aspekt lässt sich erklären, warum der technisch mögliche gekröpfte Nordanflug immer noch nicht durchgeführt wird. Geben wir doch offen zu, dass unser Land Angst hat, in dieser Situation Rückgrat zu beweisen. Überall geht es nach dem gleichen Prinzip. Das Recht des Stärkeren interpretiert dieser immer selbst. Wir können uns weiterhin ärgern im Wissen, dass wir uns in guter Gesellschaft befinden. Immerhin lassen uns ja die Deutschen von den günstigen Angeboten von LidI, Aldi usw. im süddeutschen Raum profitieren.
Otto Gerber, Wädenswil


Kloten und der nördliche Nachbar
In Stäfa gehören wir jetzt trotz Raumplanungsgesetz zu den täglich am Morgen Vergewaltigten mit Frühanflügen. Das ist doch unser Problem, mögen die südlichen Bewohner von Baden-Württemberg sagen. Allerdings ist hier festzuhalten, dass über 75 Prozent aller Flüge von Lufthansa und Swiss stammen sowie von anderen deutschen Gesellschaften.
Die Swiss haben wir durch Steuergelder und die Privatwirtschaft mit 3 Milliarden Euro aufgepäppelt, und die Lufthansa hat die für 50 Millionen Euro gekauft. Was da herumfliegt, ist weder unsere Gesellschaft noch unser Gewinn. Diese «Kohle» wird nur in Deutschland eingesackt. Dank unserer tüchtigen Art ist die Swiss für die Lufthansa gewinnbringend - wie auch Hunderte von Süddeutschen ihren Arbeitsplatz bei uns am Flughafen haben oder bequem von dort abfliegen.
Robert-Roger Martin, Stäfa


1,3 Passagiere pro Flugbewegung
Am Zürcher Flughafen tickt wieder eine Zeitbombe: Ende der neunziger Jahre war es die Hunter-Strategie der Swissair, heute sind es die Business und Privatjets der General-Aviation. Innert vier Jahren ist deren jährliche Wachstumsrate exponentiell von 1 auf 8,2 Prozent hochgeschnellt. 2006 haben 40000 Business- und Privatflugzeuge (das heisst bereits 15 Prozent des Gesamtverkehrs) den Kanton Zürich überflogen. Mathematisch extrapoliert ergibt dies unter Annahme eines beim heutigen Volumen von 220000 Flugbewegungen stagnierenden Linien- und Charterverkehrs bereits im Jahre 2012 eine Gesamtbewegungszahl von über 400000! Ein Horrorszenario, das zur gesellschaftspolitischen Frage führt, in welchem Ausmass eine kleine, bevorzugte und bonusverwohnte Minderheit berechtigt sein soll, ihre Privilegien und Bequemlichkeiten zulasten der Allgemeinheit auszuleben.
Vor dem Hintergrund des neuesten Uno-Klimaberichts muss es für geplagte Anwohner einem Schlag ins Gesicht gleichkommen, zu erfahren, dass das klimafeindlichste Verkehrsmittel im Individualverkehr der Privat- und Businessfliegerei gerade einmal mit durchschnittlich 1,3 Passagieren belegt ist.
Die Flughafenproblematik darf heute nicht mehr nur auf die Ebene der Lärmproblematik reduziert werden, wie es der regierungsrätliche Flughafenindex ZFI tut. Nur mit einer griffigen Bewegungsleitplanke kann verhindert werden, dass Kloten zum ökologischen Klimasündenfall wird! Die beiden Bürgerblöcke der Flughafenlobby haben es im Kantonsrat bei der Initiativdebatte gerade noch einmal geschafft, sich der Klimaverantwortung zu entziehen. Der Stimmbürger wird mit der Plafonierungs-Initiative ein anderes Zeichen setzen können.
Jean-Pierre Schiltknecht, Zollikerberg


Eine bedenkliche Vorführung
Als interessierte und vom Fluglärm stark betroffene Bürgerin sass ich heute morgen auf der Tribüne im Ratshaus. Was da unten im "Orchestergraben" vor sich ging, spottet jeder Beschreibung. Da war ein andauerndes "Geschnatter", es wurde telefoniert und Zeitung gelesen. Man wähnte sich in einer Schulklasse, deren Lehrer abwesend ist. All dies notabene auch während der Vorträge der Votanten. Offensichtlich ist das Thema Flughafen für unsere Volksvertreter eben KEIN Thema. Für mich als Zürcher Bürgerin ist das ein absoluter Affront.
Im Weiteren ist es doch sehr bedenklich, dass der Kantonsrat, allerdingsäusserst knapp, den so genannten ZFI-Plus als Gegenvorschlag zur Plafonierungsinitiative gewählt hat.
DER ZFI-PLUS IST in seiner ursprünglichen Form nämlich VERFASSUNGSWIDRIG und konnte nur dank einer von der Regierung vorgeschlagenen Umformulierung "gerettet" werden! Die bürgerlichen Mitglieder des Kantonsrates sollten DRINGEND einen Nachhilfekurs in Staatsrecht besuchen.
Fazit dieser Übung: Für mich ist nun auch das letzte bisschen Vertrauen in unsere staatlichen Institutionen gestorben.
Ursula Hofstetter, Forch


Gipfel grenzenloser Dreistigkeit
Die Deutschen erlauben sich, in den Morgen- und Abendstunden ihren Luftraum für den Anflug nach Kloten zu sperren. Eine Luftraum, welcher zu über 60% von in deutschem Besitz sich befindenden Flugzeugen beflogen wird. Herr Mayrhuber, Chef der Lufthansa, welcher sich die Swiss zu einem Butterbrot angeeignet hat, verkündet, dass er bei allfälligen EU-Restriktionen betr. CO2 vermehrt Flüge aus deutschen Flughäfen nach Zürich verlagern würde. D.h. er rechnet ganz klar nebst Frankfurt und München mit (s)einem weiter auszubauenden Hub Zürich.
Wie reimt sich das auf die gewichtigen Aussagen BR Leuenbergers an den Klimakonferenzen von Nairobi und Paris? Was meinen unsere von den Plakatwänden lächelnden bürgerlichen Regierungsratskandidaten dazu, samt den Kantonsräten der FDP und SVP, die einstimmig und brav nach ihrer Fraktionsparole für den ZFI+, und damit dem schwammigen, unendlichen Wachstum des Flughafens mit all seinen negativen Immissionen zugestimmt haben? Wir jedenfalls wissen, dass wir keine derartigen Marionetten mehr wählen werden.
Adrian Schoop, Gockhausen

 

ZSZ, 14./16.02.2007